Zwei Orgeln im Dialog

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Do, 08. November 2018

Klassik

Marjorie Frances Mayo und Bernhard Marx in St. Johann.

Als bewährtes Duo präsentierte sich das Organistenehepaar Marjorie Frances Mayo und Bernhard Marx an diesem Abend, der unter anderem Musik für zwei Orgeln bot. Beim gefälligen, hübsch modulierenden Konzert des nachbarocken Spaniers Josef Blanco waren in der Freiburger Pfarrkirche St. Johann beide Spielanlagen der großen Emporenorgel im Einsatz. Und bei der Sinfonia des Monteverdi-Zeitgenossen Lodovico Viadana klappte sogar das Zusammenwirken über eine weite Distanz: Mit dem Metzler’schen Hauptinstrument oben dialogisierte das Beckerath-Positiv unten in der Vierung. Da sie schon mal vorn Platz genommen hatte, nutzte Marjorie Frances Mayo das substanzielle Flötenpotenzial der Kleinorgel auch solistisch – für Mozart: Zart, mit musikantischen Temponuancen und Flötennoblesse erklang das F-Dur-Andante KV 616 des genialen Salzburgers.

Wie der Flötenwärme auch in den Emporenbeiträgen der Interpretin eine besondere Rolle zukam. Flötiges prägte die Melodik im langsamen Satz des d-Moll-Concertos BWV 596, jener Bach’schen Vivaldi-Bearbeitung, bei deren Largo man ansonsten meist Obertöniges oder eine Zungenstimme hört. Einen Paradeauftritt hatte die Flöte im herrlichen Des-Dur-Fantasiestück "Clair de lune" des Pariser Orgelsinfonikers Louis Vierne. Sehr ausdrucksvoll wurde da der Mondschein zelebriert. Dass Vierne auch anders kann (und es von ihm nicht nur den populären "Carillon de Westminster" gibt), erfuhr man beim "Carillon de Longpont", dem kräftigen B-Dur-Fitnesstraining in Sachen Achtelkontinuum aus den wenig bekannten "Stücken im freien Stil" op. 31.

Kluge Bezüge taten sich auch bei den Werken auf, die Bernhard Marx vortrug. So korrespondierte die d-Moll-Passacaglia des Lübecker Barockmeisters Buxtehude in puncto Variationen mit dem Basso ostinato g-Moll des Spätromantikers Max Reger. Mit mustergültig gespielten Kostproben aus den Neun Orgelstücken op. 129 von 1913 bewies Marx, von dem man diese Raritäten noch nie vernommen hatte, die Reger-Tauglichkeit der Metzler-Orgel. Die natürlich bei französischer Musik in ihrem Element ist. Mit toccatischem Schwung kredenzte Marx Charles Tournemires Choral-Improvisation über die Ostersequenz "Victimae paschali laudes", die Maurice Duruflé einst via Schallplatte rekonstruiert und zudem notiert hatte. Tournemires Osterjubel und der Konzertzyklus in St. Johann klangen somit in Moll aus. Moll steht für die Realitätswelt. Was wir (spätestens) ja seit Franz Schubert wissen.