Gautier Capuçon

KLASSIK: Mixed Pickles

rog

Von rog

Di, 13. Februar 2018

Klassik

Was für ein hervorragender Cellist Gautier Capuçon ist, wissen Tonkonservenhörer spätestens seit seinen Tschaikowsky- und Prokofjew-Einspielungen mit dem Orchester des St. Petersburger Mariinsky-Theaters unter Valery Gergiev. Der jüngere Bruder des Violinisten Renaud Capuçon hat nun mit "Intuition" ein sehr persönliches Album veröffentlicht. Das beginnt mit Jules Massenets "Meditation" aus der Oper "Thais", gefolgt von Jerome Ducros’ "Encore". Später findet sich Antonín Dvoráks "Lasst mich allein" neben Scott Joplins "Original rag No. 1" und Astor Piazzollas "Le grand tango". All das seien Stücke, die den Interpreten auf dem Weg seiner musikalischen Entwicklung intensiv begleiteten, heißt es im Beiheft. Mancher wird solcher Mixed-Pickles-Kost schon aus Prinzip das Ohr verweigern. Man kann sich aber auch, aller Willkür der Zusammenstellung zum Trotz, am sonoren Ton Capuçons berauschen: Von fast schmalzig ("Thais") bis blendend, von hummelflugartiger Hetzjagd bis zu Nichts- für-Depressive-Momenten. Gautier Capuçon betreibt Werbung fürs Cello, ob mit Jerome Ducros am Klavier oder dem Orchestre de chambre de Paris unter Douglas Boyd. Und Klassik-Szene plus Markt glauben, von solchen Alben zu profitieren.

Gautier Capuçon, "Intuition" (Erato).