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30. März 2011 18:56 Uhr
Freiburg: Filmmusik zu Chaplins "City Lights"
3D-Kino der historischen Art
Es ist schon verblüffend, welche Emotionen ein 80 Jahre alter Schwarzweiß-Film wecken kann. Günter A. Buchwald und das Philharmonische Orchester Freiburg bereichern Charlie Chaplins Stummfilmklassiker "City Lights".
Manche verlassen den Raum nach gut anderthalb Stunden mit Bauchschmerzen, die sie vor lauter Lachen bekommen haben. Andere wischen sich verstohlen ein paar Tränen aus den Augen. Schon verblüffend, welche Emotionen ein nunmehr 80 Jahre alter Schwarzweiß-Film wecken kann – generationsübergreifend! Zumal an einem Ort, der sich in den vergangenen Jahrzehnten als Spiegel der Realität und Schauplatz sozialkritischer Vernunft verstanden wissen wollte – dem deutschen Stadttheater. . .
Dass Charlie Chaplins Stummfilmklassiker "City Lights" (Lichter der Großstadt) noch immer so unvermittelt auf den Betrachter wirkt, hat viel mit der Empathie zu tun, die der Regisseur und Hauptdarsteller seiner Figur, dem Tramp, angedeihen lässt, die mitunter zwar haarscharf am Kitsch vorbeischrammt – aber wie elegant, wie professionell! Den Anteil der Musik daran kann man nur mutmaßen. Doch ist er beim Stummfilm wohl um einiges höher als beim Tonfilm, wo Musik nur noch Vehikel des Effekts ist. Wobei festzuhalten gilt: Chaplin, der musikalische Autodidakt, ist mit seiner Filmkomposition (in den wirkungsvollen sinfonischen Arrangements von Arthur Johnston) dem Drehbuchautor Chaplin ebenbürtig. Wie sehr, zeigt die Interpretation durch das Philharmonische Orchester Freiburg im gleich zwei Mal ausverkauften Stadttheater
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Zumal der, der da am Pult steht längst eine Instanz ist in Sachen Filmmusik. Günter A. Buchwald gelingt eine überaus farbige, punktgenaue Deutung der Partitur, deren rhythmische Qualitäten ebenso zu rühmen sind wie der samtweiche, geschmeidige Klang. Besser hat man solche Musik wohl auch zu den Zeiten der großen Filmorchester wie im Berliner Ufa-Palast am Zoo in den Roaring Twenties nicht gehört: geschmeidige Walzerrubati, jazzige Rhythmen und Klarinetten-Glissandi à la Gershwins Rhapsody in Blue, erotisierende Violinsoli und eine Plastizität des Musizierens, die dem Zuschauer die Unmittelbarkeit des Dabeiseins suggeriert. Das ist 3D-Kino der historischen Art – und die dritte Dimension heißt hier Musik. Dass das so funktionieren kann, liegt natürlich vor allem auch an der großartigen Spiellaune der Philharmoniker, die an diesem Abend abermals zeigen wie wichtig und wertvoll ein Orchester für Stadtkultur ist, die im konkreten Fall auch von der außergewöhnlichen Zusammenarbeit von Theater und Kommunalem Kino profitieren darf.
Er habe, sagt Günter Buchwald im launigen Einführungsdialog zum Chaplin-Experten David Robinson, Kinos auch schon verlassen wegen der schlechten Musik. Im Freiburger Theater wäre man am liebsten noch länger geblieben. Fortsetzung folgt, zum Glück, im nächsten Jahr (14. Februar) mit Murnaus "Faust"-Adaption – dann sogar mit Chor und Orchester.
Autor: Alexander Dick
