Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
26. Juni 2012
Altes in neuer Zeit
Das Freiburger Barock-Consort präsentiert Werke von Johann Heinrich Schmelzer auf CD.
Dieser Mensch war schon unter der Erde, als Johann Sebastian Bach noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt hatte. Wir reden hier von Johann Heinrich Schmelzer, der ums Jahr 1620 geboren wurde und 1680 starb. Schmelzer war Habsburger Hofkapellmeister und Hauptvertreter der altösterreichischen Geigerschule vor Biber. Heute jedoch ist dieser Komponist fast nur noch ein Fall für Spezialisten. Dass seine Musik indes durchaus auch geeignet sein kann, weitere Kreise zu ziehen, zeigt diese neue CD des Freiburger Barock-Consorts, welches ja aus Mitgliedern des Barockorchesters besteht.
Mit einer Perkussionsdreingabe hebt hier Kammermusik spektakulär an, von der man ganz anderes erwartet hätte. Oft bricht sich gar ein folkloristischer Touch Bahn. Mit Nähe zum Volkston, zum Außereuropäischen, zum Heute. Kleine Formate kommen uns in dieser Einspielung sehr nah. Die Instrumentalisten um Geigerin Petra Müllejans, Gambistin Hille Perl und Tastenmann Torsten Johann spielen mit Hingabe und größter Akkuratesse. Da wird aus den Sonaten und Balletten in der Tat "Barockes Welttheater", wie der Titel des Unternehmens lautet. Ungemein ausdrucksstark klingt das auf alle Fälle. Mitunter werden die wie peitschenden Klänge noch von Gerassel et cetera garniert. Sogar ein Totenglöcklein läutet da. Die Werkwahl garantiert Abwechslung, allein schon in puncto Besetzung. Die Variationen über "La bella pastora" bewegen sich so selbstbewusst wie eigenständig zwischen der Welt von "La follia" und den bekannten Ciacona-Bezirken des Nürnbergers Johann Pachelbel. Das Melos wird kultiviert. Und nicht selten geht’s tüchtig zur Sache. Diese Scheibe präsentiert sich als ein veritables Komponistenporträt. Noch attraktiver, anregender ist das schwerlich vorstellbar.
Werbung
Die Mitglieder des Barock-Consorts überzeugen durch enorme Lust am Spiel – und Lust an der Virtuosität. Diese Werke klingen so neu und frisch, dass sich hier der Begriff Alte Musik geradezu verbietet, obsolet wird. Ihre Ästhetik wirkt da wie selbstverständlich. Auf ihre Art gibt sich Schmelzers Tonsprache auch in der kleinen Besetzung opulent und extrovertiert. Einen Zugang zu finden, ist nicht schwer. Den Rest erledigt sie von allein. Geboten wird barockes Welttheater – und zwar historisch sehr informiert auf der Bühne unserer Zeit.
– Johann Heinrich Schmelzer: Barockes Welttheater. Sonate & Balletti. Freiburger Barock-Consort. HMC 902087.
Autor: Johannes Adam



