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20. Januar 2009

Bändiger des Höllenhunds

Der Posaunist Dirk Amrein und der Organist Dieter Lämmlin in Bad Säckingen und Rheinfelden.

Wer hat Angst vor Neuer Musik? Der Posaunist Dirk Amrein sicher nicht. Als Spezialist für Avantgardeklänge und spektakuläre Klangperformances nahm er es jetzt sogar mit einem Höllenhund auf. Cerberus, der Wächter der Unterwelt aus der griechischen Mythologie, ist die titelgebende Figur in dem Stück "Cerberus or Apocalyptic Visions" des englischen Komponisten Marc Yeats, das für Amrein geschrieben wurde. Die Uraufführung dieses Posaunenwerks stand im Zentrum der Konzerte von Amrein und dem Organisten Dieter Lämmlin in der evangelischen Stadtkirche in Bad Säckingen und in der Christuskirche Rheinfelden – wo es noch eine Bildprojektion gab – und wurde zu einem spannenden Klangerlebnis.

  Der in London lebende Yeats ist Komponist und Maler und lässt sich in seiner Musik von Bildern beeinflussen. So sind es Bilder von Francis Bacon oder gestische Action Paintings von Jackson Pollock, die man bei "Cerberus" vor dem geistigen Auge abrufen könnte. Doch bedrohlich oder dämonisch, wie es die apokalyptischen Visionen vermuten ließen, klingt diese Musik gar nicht. Vielmehr ist sie sehr komplex und bildhaft, vermag Klangbilder, Vorstellungen und Assoziationen zu wecken. Der Posaune wird enorm viel abverlangt in dieser viertelstündigen Aufführung. Interpret Amrein hat pausenlos zu tun und neben ruhigeren auch viele heftige, wilde, schnelle Passagen zu meistern. Geschickt bringt er durch Dämpfer verschiedene Klangfarben ein und schöpft das Klangspektrum und die technischen Möglichkeiten des Instruments effektvoll aus – mal klingt es kraftvoll fast wie "trompetend", mal tief tönend, mal geräuschhaft in den Lauten, was einige Suggestionskraft erzeugt.

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Ein bisschen spielt die Soloposaunenstimme den Bändiger des Höllenwächters Cerberus. Raffiniert aufgepeppt und verstärkt wird das als Posaunenquartett konzipierte Stück durch elektronisch zugespielte Posaunenstimmen – die von Amrein selbst eingespielt wurden – und dazu gemischte Perkussion wie Gongs, Trommeln, Schlagzeug. So taten die Zuhörer gut daran, sich offen auf diese experimentellen musikalischen Bilder einzulassen.

Vertrautere Klanggefilde taten sich wieder in der Barockmusik auf, etwa in der kantabel und tänzerisch-bewegt gespielten Sonata von Johann Ernst Galliard, mit der Amrein und Lämmlin das wilde Cerberus-Stück umrahmten. Orgelsolist Dieter Lämmlin erwies sich auch als feinfühliger Bach-Interpret in dem kräftig getönten Orgelchoral "Wer nur den lieben Gott lässt walten" oder im Präludium und Fuge A-Dur, einem sehr hellen Stück, das er transparent, licht und in zarten Farben spielte. Wunderschön meditativ klang auch seine Darstellung des Choralvorspiels "An Wasserflüssen Babylons" mit kunstvoll verzierter Choralmelodie und ruhig fließendem Spiel.

  Von eindrücklicher Klangwirkung waren zum Schluss die "Invocations" des tschechischen Komponisten Petr Eben für Posaune und Orgel. In diesen "Anrufungen" wird der bekannte St.-Wenzel-Kirchenchoral aufgegriffen und variiert – zuerst eher streng, wenn die Posaune den Choral zitiert, dann immer expressiver, dramatischer, kühner im Bläser- und Orgelklang. Die beiden Rheinfelder Musiker wussten die Intensität, Leuchtkraft und Dramatik dieser Choralthemen auch großartig zu beschwören.  
– Dirk Amrein und Dieter Lämmlin wiederholen das Konzert am Sonntag, 25. Januar, 17 Uhr, in der Kirche St. Fridolin in Lörrach-Stetten

Autor: Roswitha Frey