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08. Februar 2012

Brunnen und Sandwiches

Das Orchester der Freiburger Musikhochschule konzertierte.

"Ist es ein Solokonzert?", fragt Dirigent Scott Sandmeier in seiner kurzen Einführung und gibt die Antwort: "Jein. Ist es ein Theaterstück? Jein. Ist es Performance Art? Schon eher." Am Ende soll der Hörer selbst entscheiden, um was es sich bei "Mr. Hammersmith in Heaven" handelt. Das Stück des schwedischen Posaunisten Christian Lindberg, Jahrgang 1958, sorgt für Heiterkeit im gut besuchten Konzertsaal der Musikhochschule Freiburg. Klar ist: Es ist ein Werk, an dem sich die Geister scheiden.

Mr. Hammersmith ist gestorben und erzählt nun sein Leben, doch kein Wort ist wahr. Einsamkeit, unerfüllte Liebe, die Lebensrückschau ein Blick ins Leere – das sind große Themen. Der Perkussionist Julian Belli wirbelt in der Titelrolle pointiert am Schlagwerkapparat, der vor den Violinen aufgebaut ist, und erzählt ausdrucksvoll von den Thunfisch-Sandwiches, die seiner Angebeten nicht schmeckten. Dazu erklingt eine Streicherfläche, die Bedeutung indes nur suggeriert. Lindberg führt die im 19. Jahrhundert wurzelnde Orchestersprache ad absurdum. Doch konsequent ist er nicht, denn es bleibt nicht trivial. Herr Hammersmith ergeht sich, wenig geschmackvoll, in kannibalistischen Rachefantasien. Dazu dann: plakative Orchesterdrastik, die der Komponist offenbar ernst meint. Die Spannung zwischen Pathos und Trivialem wurde schon überzeugender in Musik gesetzt, ästhetisch stimmiger.

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Das Orchester der Musikhochschule, hier akkurat zur Stelle, hatte zuvor unter der sachlich-involvierten Leitung von Hans Kretz mit Ottorino Respighis "Fontane di Roma" brilliert. Mit gewaltiger Phonstärke und Differenzierung im Detail. Bombast-Impressionismus in leuchtender Klangpracht. Organisch das Umschalten zwischen Posaunenstößen und ziselierter Harfenarbeit. Holz- und Blechbläser waren bestens aufgelegt (wie schon in Strawinskys "Symphonies d’instruments à vent", wo insbesondere der üppige Hornsatz gefiel). Ungemein stimmungsvoll war diese Darbietung und von fast filmischer Qualität. Sirrende Mittagshitze am Trevibrunnen. Das Ende hörte der große, stets homogene Klangkörper zärtlich aus: Eine Kirchenglocke schlägt in der Abenddämmerung.

Autor: Dennis Roth