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04. August 2012

Chorkunst aus dem Allgäu

DIE NEUE CD: Musik von Wolfram Buchenberg.

  1. W. Buchenberg Foto: AZV

Er ist eine Art Geheimtipp. In der Chorstadt Freiburg hat man ihn bis dato kaum zur Kenntnis genommen: Wolfram Buchenberg, 1962 im Oberallgäu geboren, kann als meisterlicher Chorkomponist gelten, als – wenn der Vergleich erlaubt ist – bayerischer Bruder der britischen Koryphäe John Rutter. Diese verdienstvolle Porträt-CD des Regensburger Labels Spektral mit A-cappella-Werken aus den Jahren 1994 bis 2009 legt davon beredet Zeugnis ab. Buchenberg, der an der Musikhochschule in München studierte, wo er seit vielen Jahren selber lehrt, befleißigt sich einer individuellen Ästhetik.

Das beginnt bei der Wahl der Texte, die historisch ("Als vil in gote, als vil in vride" nach Meister Eckhart) und liturgisch (Magnificat) sein dürfen. Häufig liegt die Quelle im Alten Testament. Sogar vor der Wortlosigkeit schreckt Buchenberg nicht zurück ("Klangfelder Raumschwingungen Oszillationen"). Die Harmonik ist die einer erweiterten Tonalität. Diese Chorkunst ist sehr kantabel. Zum Chorpart treten Soloaufgaben und Gesprochenes. Auch das Summen gehört dazu. Buchenbergs Chormusik ist – fast wie manchmal bei Messiaen – ein inspiriertes Hin und Her, ja ein Spiel zwischen Konsonanz und Dissonanz. Nicht selten nutzt der in seinem Genre virtuose, aber gleichwohl immer auf Machbarkeit bedachte Komponist den Chor wie ein Instrument.

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Wichtigste Voraussetzung für die Interpretation dieser Musik ist natürlich ein guter Chor. Mit dem 1992 gegründeten Ensemble "Cantabile Regensburg" ist hier unter Matthias Beckerts souveräner Leitung eine solche Formation zur Stelle. Der Klang zeigt sich wunderbar homogen und rund. Sehr schön die sonore Basstiefe. Aber auch die (solistischen) Sopranhöhen haben ihren Reiz. Beckerts Cantabile-Leute nehmen sich der Musik eminent feinfühlig an – ganz gleich, ob dies eine komplexere, fast in Richtung Polytextur tendierende Schöpfung wie "Lasst uns umkehren zum Herrn" (aus den "Vier geistlichen Gesängen" von 1997) ist oder ein schlichteres, die Variation einbeziehendes Volkslied-Arrangement ("Kein schöner Land"). Dem Buchenberg’schen Chorschaffen, das in unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad vorliegt, ist weite Verbreitung zu wünschen. Zeitgenössische Chormusik, die, ohne sich je anzubiedern, gefällt und klingt. Man muss eben nur den Chor haben, der sie singen kann – und möchte.
– Wolfram Buchenberg: Chorwerke. Cantabile Regensburg. Leitung: Matthias Beckert. Spektral SRL4-12108.

Autor: Johannes Adam