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08. Februar 2012

Der verjazzte Jesus

Tanz, Gezupftes, Improvisiertes: Die Bach-Nacht in der Freiburger Ludwigskirche.

Der Name des Komponisten aus Kerzen gebildet vor dem Eingang: Die Bach- Nacht in der Freiburger Ludwigskirche beließ es nicht bei der Musik, das wurde schon vor Konzertbeginn deutlich – die Zuhörer sollten auch visuell angesprochen werden. Gleich zu Beginn trat zu Carsten Klomps Orgelspiel Bernd Niedecken als Tänzer. Das funktionierte oft ganz gut, doch leider nicht immer: Die tänzerischen Passagen der Triosonate konnte Niedeckens Tanz bereichern; zu den mächtigen Klängen des Präludium Es-Dur BWV 552 wirkte sein Barocktanz doch sehr anmontiert. Hier wurde die Energie, die in Klomps beseeltem Spiel steckte, eher absorbiert als verstärkt. Der zweite Programmpunkt "Bach gezupft" gab dann Gelegenheit, zwei Cembali unterschiedlichen Typs (flämisch und italienisch) akustisch zu betrachten und sie dabei in ihrer unterschiedlichen Klangcharakteristik zu studieren.

Klarer Höhepunkt des Abends war der Auftritt des hochbegabten Organisten Sebastian Küchler-Blessing, der derzeit noch an der Freiburger Musikhochschule studiert. Er wurde nach einem Kurz-Interview mit verschiedensten Aufgaben bedacht, die es improvisatorisch zu lösen galt. Dabei konnte er nicht nur seine vorzügliche Technik unter Beweis stellen, sondern bekam auch die Gelegenheit, seinen musikalischen Witz zu demonstrieren. Das Publikum war verzückt.

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"Warum gewisse Personen sich ganz genau überlegen sollten zu heiraten?" Die musikalische Intelligenz, mit der er durch verfremdete Zitate diese Fragen beantwortete, sorgte für etliche Lacher. Beeindruckend dann eine ausgedehnte Improvisation über den Choral "O Haupt voll Blut und Wunden" und das B-A-C-H-Motiv – eine Improvisationsaufgabe wie zugeschnitten auf Küchler-Blessing, den Gewinner des Berliner Mendelssohn-Wettbewerbs: Felix Mendelssohn Bartholdys "Freie Phantasie" über eben dieses Material hinterließ einst einen begeisterten Robert Schumann.

Auf große Begeisterung beim Publikum stieß nicht nur Küchler-Blessing, sondern auch der letzte Programmpunkt: "Bach gejazzt" mit der Formation "Berner in fusion". Die Namensgeberin Elisabeth Berner ist Kirchenmusikerin und Jazzpianistin und entwarf mit ihrer Band eine Klangvision von kirchenmusikalisch inspiriertem Jazz. Da wurde "Jesus bleibt meine Freude" mit der "Air" zusammengebracht und verjazzt. Das klingt plakativer, als es tatsächlich ist. "Berner in fusion" taten gut daran, sich so weit von den Bach’schen Vorlagen zu entfernen, dass sie sich in den Sound einfügten und nicht als Korsett wirkten. Die Positionierung der Band mitten in der Kirche, umringt vom Publikum, trug auch visuell zur Intimität der Klänge bei.

Autor: Martin Andris