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23. Oktober 2010
Die Brustgeige im Wohnzimmer
Freiburg: "Blind Music Date" im Stadtteil Vauban.
Das gibt es selten – dass man in ein Konzert geht, ohne zu wissen, welche Künstler auftreten. Bei der Veranstaltungsreihe "Blind Date Music" ist das die Regel. Öffentlich, doch im Vorfeld geheim sind die Konzerte in Freiburgs Wohnzimmern. Diesmal, zu Beginn der zweiten Staffel, fand man sich in einer schmucken Wohnung im Vauban wieder. Rolf Memming hat es gereizt, mit den Künstlern auf Tuchfühlung gehen, sie direkt zu fragen: "Wieso machst du solche Musik?" Denn die in der ersten Staffel aufgeführten Werke fielen mehr in die Neue Musik. Memming, nebenbei selbst Musiker, hält es lieber mit Klassik. Er und seine Frau Imelda Knörle-Memming sind gute Gastgeber. Die Gäste unterhalten sich bei Wein und Häppchen in der Küche, dann geht es ins Wohnzimmer. Man nimmt auf Hockern und dem Sofa Platz. Man ist gespannt.
Weder trägt er blonde Locken noch einen schrillen Anzug – in lässiger Kleidung erscheint der bulgarische Musiker Georgi Andreev, den Thomas Schmölz vom Veranstalter "mehrklang" als den "Thomas Gottschalk der bulgarischen Musik" angekündigt hatte. Sein Instrument: die Gadulka, eine Brustgeige. Mit seinem Landsmann Sava Stoianov, Trompeter beim Ensemble Modern, spielt Andreev zwischen Buchregal und Schreibtisch in Teil I des Konzerts meist Eigenes, oft mit hohem Anteil an Improvisation: "Ihr wisst nicht, was euch erwartet, aber wir wissen das auch nicht so genau", so Stoianov, der mit Witz durchs Programm führt.
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Für das schöne Stück "Lale li si" wechselt der Trompeter zum Zink. Dieses zwischen Trompete und Blockflöte beheimatete Instrument und der harzige Klang der Brustgeige ergänzen sich perfekt, die Obertöne schillern, das Zusammenspiel ist sehr homogen. Auch solistisch überzeugen die Musiker. Stoianov lässt (in der zweiten, mit Neuer Musik bestrittenen Hälfte) die zwei anspruchsvollen Stücke von Alexander Wustin leicht klingen und beherrscht auch den pastosen, jazzigen Ton. Andreev fantasiert auf der Gadulka, beschwört orientalische Klänge, wirbelt virtuos, und sein expressives Spiel mündet in ein kräftiges Forte, das man dem kleinen, mit nur drei Saiten bespannten Instrument gar nicht zugetraut hat. Überraschung gelungen.
Autor: Dennis Roth
