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30. Januar 2012
Die Traurigkeit eines Sterns
Das Hagen-Quartett in der Freiburger Musikhochschule.
Ganz eng sitzen sie in einem Halbkreis zusammen. So eng, dass die Noten auf den Ständern kaum Platz finden. Hört man den formidablen Musikern des Hagen-Quartetts im Konzertsaal der Freiburger Musikhochschule zu, kann man sich vorstellen, sie könnten das Programm auch ohne Noten spielen – so sehr haben die vier die Werke verinnerlicht. Seit mehr als 30 Jahren spielen die drei Geschwister aus Salzburg zusammen, Rainer Schmidt (2.Violine) ist seit 1987 dabei. Die große Vertrautheit spürt man sofort bei diesem Albert-Konzert. Streichquartettkunst, die staunen lässt.
Was das hochambitionierte Konzertprogramm, das zwei Stücke von Wolfgang Rihm als Brücken zwischen Haydn, Bartók und Brahms einsetzt, verbindet, ist das freie Spiel der Interpreten. Haydns freundlich-charmantes Streichquartett in Es-Dur op. 33 Nr. 2 erhält mehr Tiefenschichten, wenn Lukas Hagen im Trio der Scherzos süßliche Glissandi auskostet oder im Largo ein langsamer Triller in Bratsche (Veronika Hagen) und Cello (Clemens Hagen) einen Abgrund aufreißt. Höchste Expressivität ist ein weiteres Markenzeichen des Ensembles, eindrucksvoll zu hören bei Rihms "Tristesse d’une étoile", wenn Rainer Schmidt das Tremolo ganz nah am Steg zum irritierenden Flirren macht oder sich auf engstem Raum Innigkeit und Brutalität begegnen.
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"Fetzen 2" wird von den vier Streichern mit Energie aufgeladen, ehe Brahms’ Quartett Nr. 3 in B-Dur mit hellen Farben und größter Transparenz (besonders eindrucksvoll: das fragile Andante) erklingt. Schattierungen statt scharfer Kontraste. Und ein betörender Streicherklang, der im Variationsfinale zu schweben beginnt. Ein ganz anderes Gesicht zeigt das Hagen-Quartett beim zerfurchten Streichquartett Nr. 4 von Béla Bartók. Durch das perfekte Zusammenspiel werden die vielen synchronen Passagen deckungsgleich. Das rasende Prestissimo und das Allegretto pizzicato sind von fast übermenschlicher Präzision. Das Finale wird gerockt. Und im zentralen langsamen Satz stimmen die drei hohen Streicher ihre Klangfarbe so aufeinander ab, dass der expressive Celloton von Clemens Hagen eine andere Welt eröffnet.
Autor: Georg Rudiger
