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25. Januar 2012

Ein lang gehegter Wunsch

Erich Wagner und das Anhaltische Streichquartett im Blasihof in Todtnau-Geschwend.

  1. Klarinettist Erich Wagner hatte sich einen Wunsch erfüllt und gab zusammen mit dem Anhaltischen Streichquartett im Blasihof in Geschwend sozusagen ein Heimspiel Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

Einen glanzvollen Kammermusikabend bescherte der aus Todtnau-Brandenberg stammende Klarinettist Erich Wagner seinem Publikum im Blasihof in Todtnau-Geschwend. Wagner, seit 1993 bei der Anhaltischen Philharmonie in Dessau tätig, hat sich mit diesem Konzert in der Heimat einen lang gehegten Wunsch erfüllt, wie er zu Beginn des Konzertabends gestand. Mitgebracht hatte er seine Musikerkollegen Martin Schulze und Christiane Thal, Violine, Claudia Michaelsen, Bratsche, und Gerald Manske, Cello, die das Anhaltische Streichquartett bilden.

Mit gepflegtem Piano begann das Ensemble in der drangvollen Enge des bis zum letzten kleinen Plätzchen ausgenutzten Blasihofes das Allegro von Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenquintett A-Dur, KV 581, und machte damit gleich zu Anfang deutlich, wie ausgezeichnet dessen Mitglieder aufeinander eingespielt sind. Geheimnisvolle Decrescendi in der Begleitung sowie der aparte Kontrast zwischen der weichen Legatolinie der Streicher und den munter, beinahe keck gestoßenen Klarinettenläufen beherrschten in der Folge diesen ersten Satz. Ganz lyrisch kostete Wagner seine Kantilene im Larghetto aus, zärtlich-liebevoll erklang das Zwiegespräch zwischen der Klarinette und der weichen, mit Dämpfer versehenen ersten Geige. Dem prägnant akzentuierten Einsatz folgte ein mit verhaltener Energie gespanntes Menuett mit düster angehauchtem Frage-Antwort-Spiel der Streicher sowie einem Abgesang mit ländlich-burschikosem Charakter. Der Variationensatz bot sowohl den Streichern als auch dem Bläser Raum zur Darstellung ihrer Brillanz wie zur Entfaltung unterschiedlichster Affekte von fröhlich-frech bis sehnsuchtsvoll-schwermütig.

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Als zweites Werk des Abends spielte das Quartett das Andante cantabile aus dem Streichquartett A-Dur, op. 2, von Richard Strauss. Hochexpressiv gestalteten die Musiker dieses Jugendwerk des damals 16-Jährigen, in dem zwar der typische Personalstil des späteren Meisters erst in einigen Steigerungen und Übergängen anklingt, das aber dennoch von einer kompositorischen Fülle und Wucht zeugt, die das Stadium des Schulmäßigen längst hinter sich gelassen hat. Mit intensivem Schmelz erklang die erste Solopassage des Cellos, aufgegriffen von der ersten Geige und weitergeführt in der Zwiesprache von Geige und Bratsche.

Romantisches Wogen beherrschte auch zugleich den Beginn des Klarinettenquintetts h-Moll, op. 115, von Johannes Brahms. Hingebungsvoll musizierten hohes und tiefes Streicherduo einander zu, die virtuos aufspielende Klarinette umrahmend. Bei den immer wieder eingestreuten, die Klarinettenfiguren imitierenden Läufen schienen die Streicher geradezu den Charakter des Blasinstrumentes in kongenialem Zusammenspiel mit zu übernehmen. Auf engstem Raum entwickelte sich die ganze leidenschaftliche Gegensätzlichkeit romantischer Gefühlswelt. Unvermittelt schlug die auf ein scheinbar fernes Ziel gerichtete Intensitätssteigerung um in den süßen Schönklang versonnenen Träumens, der sich wiederum wandelte in den Gestus sehnsüchtigen Fragens. Diesen Schlussgestus übernahm der Komponist im zweiten, mit Adagio überschriebenen Satz und bot damit Erich Wagner beste Voraussetzungen zur lyrischen Kantilene. Die schien sich indes zu verselbständigen, mit immer dramatischer gestalteten Läufen und mit Tremoli der Streicher unterlegt gleichsam ins Improvisatorische hinüberzuwechseln, um sich am Ende wieder zu beruhigen. Ein ausdrucksstarker musikalischer Spaß erklang mit der synkopenreichen, pizzicato begleiteten Klarinettenmelodie im Andantino, und das Con moto des Finalsatzes brachte nach einem Beginn, der wie ein Abendsegen wirkte, eine Passage mit wechselnden Instrumentenschwerpunkten, in der sich die Musiker nochmals exponieren konnten, um dann mit gedehntem Ritardando den Schluss als gemeinsames Innehalten zu zelebrieren.

Autor: Karin Steinebrunner