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05. Januar 2010

Ein Trio wandelt zwischen zwölf Notenständern

"Short Cuts" mit dem Geiger Andreas Wäldele, dem Oboisten Hansjürgen Wäldele und dem Fagottisten Nicolas Rihs in Altweil.

  1. Immer für Überraschungen gut: Andreas Wäldele, Hansjürgen Wäldele und Nicolas Rihs (von links) bei ihrem Konzert „Short Cuts“ in der Altweiler Kirche Foto: Roswitha Frey

"Short Cuts" hieß ein berühmter Film von Robert Altman, in dem sich Episoden aus dem Leben verschiedener Menschen lose verknüpfen. Dieses filmische Mittel von miteinander verwobenen Momentaufnahmen und Handlungssträngen griffen nun Andreas Wäldele (Violine), Hansjürgen Wäldele (Oboe) und Nicolas Rihs (Fagott) in ihrem Konzert "Short Cuts" in der voll besetzten Altweiler Kirche in Weil am Rhein auf.

Dieses unkonventionelle Konzert zum Neuen Jahr brach das starre Korsett des üblichen Programmablaufs auf. Es war wirklich, wie es Kulturamtsleiter Tonio Paßlick nannte, eine Stunde der Überraschungen, der spannenden neuen Wahrnehmung von klassischer, barocker und zeitgenössischer Musik. So wie es in Altmans Film keine durchgängige Handlung gibt, sondern ineinander verflochtene Augenblicke, so bestand dieses Konzert aus lauter schnellen Schnitten, Facetten, Ausschnitten und Splittern ganz verschiedener Stücke – von Mozart bis zu Neutönerischem, von Blues bis zu Improvisationen.

Die drei Musiker sitzen auch nicht die ganze Zeit streng an ihren Plätzen. Nein, sie bewegen sich ständig im Kirchenraum, in einer Art Wandelkonzert, einer Choreografie, die sie an immer neue Klanginseln führt, beziehen den Raum mit ein in die Klangwirkungen. Zwölf Notenständer sind verteilt im Raum platziert. So ist das Trio fast permanent in Bewegung, wechselt oft blitzschnell den Spielort. Dabei ist auch immer eine gute Portion Humor, Spielwitz und Ironie im Spiel, wenn sich die Sequenzen überschneiden oder überblenden – auch wieder ein Stilmittel wie im Film.

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Ein wahres Kaleidoskop an kurzen musikalischen Szenen rauscht da am Zuhörer und Zuschauer vorbei – hier Auszüge aus einem Concerto von Giuseppe Torelli, dort eine Serenade von Mozart, hier Sätze eines anonymen Komponisten aus dem 14. Jahrhundert, dort Alte Musik von Guillaume de Machaut, ein Allegro von Alessandro Besozzi, eine Allemande von Joseph de Boismortier, Spots des zeitgenössischen Komponisten Frederik Rzewski, freie Improvisationen über "O Sole Mio" oder das schmachtende "Ach, ich hab in meinem Herzen" - alles im schnellen und kontrastreichen Wechsel. Das machte gerade den Reiz dieser Short Cuts aus, dass sich da Musik aus ganz unterschiedlichen Epochen und Stilen locker miteinander verband – ohne Berührungsängste.

Mit dem Oboisten und Komponisten Hansjürgen Wäldele, dem "Geigen-Wizzard" Andreas Wäldele und dem Fagottisten Nicolas Rihs waren die idealen Musiker in Aktion, die klassische Kammermusik gleichermaßen aufregend spielen können wie einen mit rhythmischem Drive und rasantem Tempo aufgeladenen Blues oder ein traditionelles irisches Stück. In einem Moment genießt man die heiteren Serenadenklänge, die mit aller bläserischen Nuanciertheit und Differenziertheit und geigerischem Wohlklang gespielten Motive, um im nächsten Moment gleich wieder herausgerissen und in eine komplett andere Klangwelt katapultiert zu werden. Im Sandfloh-Blues von Andreas Wäldele legen die Drei eine fulminante Performance von enormer Verve hin. Der Geiger konnte nicht nur sein in Jazz, Zigeunerswing und Csardas erprobtes Virtuosentemperament und manchmal richtig schönen "Geigenschmelz" einbringen, sondern griff auch mal zur klassischen Mandola oder zur besonders voll und dunkel klingenden amerikanischen Mandoline.

Auch Neue Musik und Improvisationen hatten die Musiker in ihre Short Cuts eingebaut. Da waren Hansjürgen Wäldele und Nicolas Rihs, die ja die Reihe "Aspekte der freien Improvisation" zusammen machen, in ihrem Element, wenn sie pointiert die Klangmöglichkeiten ihrer Instrumente ausloten oder mit Geräuscheffekten arbeiten. Zum Schluss spielte das Trio als Pointe Hansjürgen Wäldeles Vertonung "Die Gedanken sind frei". Und wie im Film gab es sogar einen Abspann.

Autor: Roswitha Frey