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02. Februar 2012
Friede auf dem Schlachtfeld
Das Freiburger Barock-Consort mit Johann Heinrich Schmelzer.
Über Johann Heinrich Schmelzer weiß man wenig. Nicht mal sein genaues Geburtsdatum (um 1623) ist bekannt. Mit einem Porträtkonzert unter dem Titel "Barockes Welttheater" stellte das Freiburger Barock-Consort, der kammermusikalische Zweig des Barockorchesters, den Komponisten nun im Freiburger Konzerthaus vor. Und zeichnete mit dem Porträt auch ein Bild einer Epoche – zwischen Kriegslärm und höfischer Pracht, zwischen Vergänglichkeit und Vergnügen. Der Cembalist Torsten Johann hatte dafür ein kleingliedriges Programm zusammengestellt, das viele Facetten aufwies. Eine CD-Produktion ist in Vorbereitung.
1665 wurde Schmelzer am Wiener Hof, wo er bereits als Konzertmeister der Hofkapelle engagiert war, zum offiziellen Ballettkomponisten ernannt. Alle vier Tanzmusiken, die das Barock-Consort plastisch präsentierte, sind im Zusammenhang mit dem Karneval entstanden. Bei der "Serenata con altre arie" läutet Perkussionist Michael Metzler im Campanella-Satz sogar ein Glöcklein, um das närrische Treiben zu beenden. Ein expressiv musiziertes Lamento stimmt auf die Fastenzeit ein. Ob mit Tamburin, Kastagnetten oder Trommeln – Metzler würzt die Ballette mit filigranen Rhythmen. Wie beim "Balletto di Pastori e Ninfe" sorgt bei der Intrada ein Trommelwirbel für Aufmerksamkeit, ehe die Tänze vom Ensemble um die Konzertmeisterin Petra Müllejans mit klaren Phrasierungen und einem markantem Bogenstrich zum Schwingen gebracht werden.
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Der Gebrauchscharakter dieser Musik lässt sich nicht leugnen. Da ist nicht alles Gold, was glänzt – und manche Dialoge zwischen den Streichern werden nach zwei Wortwechseln ein bisschen langweilig. Interessanter sind die Variationen über "La bella Pastora", wenn sich die Geigerinnen Petra Müllejans und Beatrix Hülsemann die Bälle zuwerfen – oder wenn in der Sonata amabilis die Farben zwischen Violine und Gambe (Hille Perl, Marthe Perl) changieren. Bei der abschließenden Battaglia finden sich alle zehn Musikerinnen und Musiker ein, um mit Tönen gegeneinander zu kämpfen. Nach aggressiven Streicherattacken beruhigt sich das Geschehen. Friede kehrt ein auf dem Schlachtfeld.
Autor: Georg Rudiger
