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06. Februar 2012

Glut und Leichtigkeit

Martha Argerich, Gidon Kremer und die Kremerata Baltica.

Solokonzerte gibt sie seit geraumer Zeit nicht mehr. Am liebsten tritt die Pianistin Martha Argerich nur noch mit Freunden auf. Gidon Kremer ist einer von ihnen; gemeinsam mit der von ihm gegründeten Kremerata Baltica bestritt er den Großteil des Nabering-Konzerts im nicht ganz ausverkauften Paulussaal – bevor der heftig umjubelte Auftritt der Argerich den krönenden Abschluss bildete.

Über ihre Virtuosität muss wohl kein Wort mehr verloren werden; nur dies: Bei allem mitreißenden Schwung fegt die Pianistin, die schon als Wunderkind in ihrer Heimatstadt Buenos Aires für Furore sorgte, nicht über die Nuancen in Schostakowitschs "Konzert für Klavier mit Begleitung von Streichorchester und Trompete" op. 35 hinweg. So präsent, ja dominant ihr Spiel auch ist – sie nimmt sich zurück, wo es geboten ist, und die Abstimmung mit der Kremerata Baltica, dem mit baltischen Nachwuchsmusikern besetzten Orchester, ist meisterlich.

Ihr Spiel elektrisiert und changiert klangmächtig zwischen heißblütigen Abgängen und feinfühlig ausgesponnener Melodie. Mit dem Trompeter Sergei Nakariakov, der auf der engen Bühne schräg hinter ihr sitzt und kompetent sekundiert, kostet sie den Schluss des Kopfsatzes aus. Von atemberaubender Spannung ist es dann, wie Martha Argerich, die im vorigen Jahr 70 geworden ist, ihren Part abtönt, die Wiederholung dem Orchester überlässt – und mit prallem Glissando ins Finale rauscht.

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Exorbitantes Können gepaart mit ebensolcher Spielfreude zeigte auch Gidon Kremer. In Robert Schumanns Cellokonzert in der Fassung für Violine, Streichorchester und Pauken bestach er mit klarem, schlankem Geigenton, den er bisweilen wirkungsvoll anraute. Den Übergang zum Finale, wenn die Solovioline nach unheilvollen Orchesterschüben wie allein gelassen ist und sich geradezu ängstlich in den nächsten Satz flüchtet, hätten die Interpreten indes noch spannungsvoller herausstellen können.

Ein Spiralmotiv wie ein Wirbelwind

Kremers unaufdringlich präsentes, stets natürliches Geigenspiel vereinte Glut und Leichtigkeit auch in Mieczyslaw Weinbergs anmutigem "Concertino für Violine und Streichorchester". Der Finalsatz geriet fulminant: Leicht und rasch zog hier ein Spiralmotiv wie ein Wirbelwind durch das Orchester, das mit leichtgängiger Motorik und trockenem Zugriff überzeugte (und bei Schumann zumal in den Bässen noch seltsam stumpf klang). Ganz zu Beginn hatte nur die Kremerata musiziert, die linde Melancholie von Peteris Vasks’ "Epifania" sensibel ausbreitend; Tremoli der Geigen, gesenkten Hauptes schritten die Kontrabässe.

Autor: Dennis Roth