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09. Februar 2012

Hochromantisches mit Verve und Esprit

Das Batholdy-Ensemble gastierte mit Werken von Schumann und Mahler in Schloss Beuggen in Rheinfelden.

  1. Claire Rigaux, Konrad Elser, Asel Breuch und Joachim Hess (von links). Foto: Matthias Weber

Ein großartiger Kammermusikabend im Zeichen Robert Schumanns fand seine zahlreich erschienene und konzentriert lauschende Hörergemeinde am zurückliegenden Montag in Schloss Beuggens Bagnato-Saal. Die Idee und Gestaltung ging vom Quartett des Rheinfelder Bartholdy-Ensembles aus. Schumanns im Jahre 1842 entstandene Klavierkammermusik in Quartett- und Quintettbesetzung stand im Zentrum des Programms. Beziehungsreich wurde den Schumann-Werken ein Jugendwerk von Gustav Mahler zur Seite gestellt. Obwohl Mahler – wie in der ebenso informativen wie sympathischen Anmoderation von Christian Sikorski mitgeteilt – alle seine Jugendwerke vernichten ließ, blieb sein in Auseinandersetzung mit Robert Schumann entstandener Klavierquartett-Satz aus dem Jahr 1876 erhalten.

Mit diesem Werk eröffnete eine erstaunlich abgeklärte Komposition des sechzehnjährigen Mahler den Abend. Das von einem expressiven Thema dominierte Werk erfuhr in der Interpretation durch Christian Sikorski (Violine), Axel Breuch (Viola), Joachim Hess (Violoncello) und dem aus Lübeck angereisten Pianisten Konrad Elser eine dichte, hochromantische Ausdeutung. Groß im melodischen Gestus, virtuos in den instrumentalen Anforderungen, intensiv im Spannungsaufbau und dabei immer wieder überraschend konventionell in der figurativen Ausgestaltung.

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Dem Mahlerschen Jugendwerk folgte im Programm des Beuggener Sparkassenkonzertes Schumanns 1842 als opus 47 entstandenes Klavierquartett in Es-Dur. Zu den professionellen Leistungen der Musiker gesellte sich an diesem Abend der Kairos des Ortes. Das edle Ambiente des Bagnato-Saales und der historische, aus der Schumann-Zeit stammende Erard-Flügel nährte die Illusion, man sei Gast eines romantischen Salonkonzertes. Jedenfalls bewährte sich der Erard-Flügel einmal mehr als Kammermusikpartner. Sein obertonreicher, warmer Klang verband sich viel homogener als ein moderner, auf Brillanz getrimmter Steinway, mit den Streicherstimmen. Dass Aussetzer in der altersschwachen Mechanik dem Pianisten die Ausführung seines anspruchsvollen Parts extrem erschwerten, blieb dank dessen technischer Souveränität praktisch unbemerkt.

Das eröffnende "Allegro ma non troppo" bot das Ensemble in einer überzeugenden Balance von Drängen und Verweilen. Auch wenn der intonatorische Abgleich zwischen Klavier und Streichern nicht immer in der ersten Millisekunde eines Klanges erreicht war, überzeugten die Musiker durch ihre spannungsgeladene Interpretation. Im zu Herze gehenden "Andante cantabile" blühten die Kantilenen vibratoreich auf und die sonst bescheiden im Mittelfeld dienende Viola durfte endlich mit ein paar wohlklingenden Melodiebögen in den Vordergrund treten. Ein ohrwurmverdächtiger Finalsatz rundete das Klavierquartett ab.

Dass mit dem Wechsel zur Quintettbesetzung nach der Pause zumindest quantitativ noch eine Steigerung zu erwarten war, lag auf der Hand. Doch schon die ersten Takte des schumannschen Es-Dur-Quintetts (op.44) machten deutlich, dass hier mehr zugewonnen war als eine zweite, von Claire Rigaux gespielte Violinstimme. Schwer zu sagen, ob es an dem nunmehr vierstimmigen Streicherklang, an den wunderbaren kompositorischen Einfällen Schumanns oder am beseelten Spiel der fünf Musiker lag. Sicher ist nur, dass Schumanns Klavierquintett unter den Händen dieser Musiker vielfarbig erblühte und den Hörenden Momente von betörender Schönheit bescherte. Gleich einer Ouvertüre durch ein "Allegro brilliante" eröffnet und im sieghaften Gestus eines "Allegro ma non troppo" kraftvoll beendet präsentiert sich Schumanns Klavierquintett als ein Werk von überragender musikalischer Substanz. Was hier in der Kleinform der Kammermusik an melodischen Einfällen und thematischer Arbeit zu hören war, hätte bei weniger herausragenden Komponisten für zwei Symphonien reichen müssen. Lang anhaltender Applaus und stumme wie hörbare "Gott-wie-schön-Seufzer" waren der Lohn für einen Abend mit wunderbarer Musik dargeboten mit Verve und Esprit!

Autor: Matthias Weber