Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
29. November 2011
Jauchzet, frohlocket!
Freiburg: Jubiläumskonzert der Heinrich-Schütz-Kantorei.
Frisch zelebriert die Heinrich-Schütz-Kantorei das "Jauchzet, frohlocket" aus Bachs Weihnachtsoratorium. Und macht zu Beginn des Jubiläumskonzerts anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens deutlich, dass es eine unpathetische, schlackenfreie Bach-Deutung geben wird. Die Kantaten I bis III werden in der bestens besuchten Maria-Hilf-Kirche mit mitreißendem Schwung und gestalterischer Präzision musiziert. Schwung und Präzision auch im Dirigat von Bernd Scharfenberger. Ein Detail wie das Sforzato bei "erschrecke nicht" zeugt von akribischer Arbeit am Text. Ausgewogen ist der Klang dieses Laienchors. Die Intonation ist sicher, die Textverständlichkeit überwiegend gut. Klug gewählt die Tempi. Nur bei "Ehre sei Gott in der Höhe" enteilt der Chor, treten die Bässe grell hervor.
Das historische Instrumentarium des Orchesters entfaltet einen farbenprächtigen, schlanken Klang. Die Trompeten, zunächst wacklig, agieren später sicher und strahlend. Die Continuo-Gruppe mit Martin Müller (Orgel) und Annekatrin Beller (Cello) liefert den Untergrund, auf dem sich das oratorische Gebäude erhebt. Angenehm zurückgenommen ist der Tenor Johannes Kaleschke in der Rolle des Evangelisten, lyrisch, ganz der Entfaltung der Geschichte dienend. Vertrauensvoll gestaltet er seine Arie, die Stefanie Geisberger auf der Flöte verziert. Die jungen Gesangssolisten beweisen gestalterische Souveränität. Philip Niederberger zeigt mit seinem markanten Bariton viel Gespür für lyrische und dramatische Ausdruckslagen. Im Duett mit der Sopranistin Johanna Zimmer weben die Stimmen am Einklang. Charlotte Quadt (Mezzosopran) gestaltet die Altpartie einfühlsam. In "Schließe, mein Herz, dies selige Wunder" mischen sich der silbrige Geigenton von Konzertmeister Gottfried von der Goltz, der ein sanglich-expressives Vorspiel liefert, und ihr dunkles Timbre.
Werbung
Kleinod wird an Kleinod gereiht. Die Darbietungen sind in sich gerundet und eingebunden in die stimmungsvolle Erzählung. Blumen gibt’s am Ende auch für Martin Gotthard Schneider, den Gründer und langjährigen Leiter der Schütz-Kantorei. Diese hat sich nun selbst ein schönes Geschenk gemacht. Mit einem Bach-Erlebnis erster Güte.
Autor: Dennis Roth
