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17. Februar 2011
Kollektives Glücksgefühl
Freiburg: Studentenkantorei mit Händels "Israel in Egypt".
Ein wenig kommen einem die Bilder der frenetisch jubelnden ägyptischen Demonstranten in den Sinn, wenn man diesem Schlusschor in der Freiburger MariaHilf-Kirche lauscht. "Sing ye to the Lord" stimmt Heike Heilmann mit ihrem glockenhellen Sopran an, ehe die Evangelische Studentenkantorei unter der Leitung ihres Dirigenten Florian Cramer ekstatischen Jubel erschallen lässt. Auch die schnellsten Koloraturen bewältigen die jungen Sängerinnen und Sänger mit nie nachlassender Energie und erstaunlicher Professionalität. Der vor allem im Sopran ausgezeichnet besetzte Chor wächst über sich hinaus, das hervorragende Ars Viva Ensemble unterstützt das kollektive Glücksgefühl mit Pauken und Trompeten. Die Begeisterung überträgt sich auf das Publikum, das die Beteiligten mit stehenden Ovationen feiert.
Auch in Händels Oratorium "Israel in Egypt" geht es um die Befreiung von einer Schreckensherrschaft, auch wenn hier die Ägypter nur in der negativen Rolle der Machthaber zu erleben sind. Die Leidenden sind die Israeliten. Wie groß die Emotionen sind, lässt die Studentenkantorei den Zuhörer in Teil I spüren, wenn die Trauer um den gestorbenen König Joseph das Geschehen dominiert. Mit schweren Abstrichen und fahlen Farben verdeutlichen die Streicher des auf historischen Instrumenten spielenden Ars Viva Ensembles schon beim eröffnenden "Largo", wie tief der Schmerz geht. Der Chor übernimmt den klaren, vibratolosen Ton des Orchesters. Und hält die Dissonanzen bei "How is the mighty fall’n!" (Wie ist der Held gefallen!) scharf und unerbittlich.
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Obwohl Cramer das dramatische Potenzial des Werks voll ausschöpft, im zweiten Teil die Hagelkörner mit Vehemenz prasseln und die Insekten in den virtuosen Streichern schwirren lässt – effektheischend ist diese Aufführung nie. Der Dirigent achtet auf die Ökonomie der Mittel, erzielt schöne Pianoklänge, bildet lange Spannungsbögen und wechselt im Dirigat häufig auf halbe oder ganze Takte, um nicht zu kleinteilig zu werden.
Das exquisite Solistenquintett ist das Sahnehäubchen auf diesen Abend. Das Bassduett "The Lord is a man of war" machen Manfred Bittner und Georg Hage zu einem bedrohlichen Kräftemessen von Alphatieren, Hans Jörg Mammel (Tenor) ist ein einfühlsamer Erzähler. Heike Heilmann (Sopran) und Alexandra Rawohl (Alt) sorgen ebenfalls für Akzente. Die ESG-Kantorei bleibt konzentriert über den gesamten zweieinhalbstündigen, ohne Pause gegebenen Abend und lässt sich auch von den vertracktesten Fugen nicht aus der Spur bringen. Am Ende lächelt Florian Cramer zufrieden. Und er hat allen Grund dazu.
Autor: Georg Rudiger
