Musikalischer Meditationsfilm

Adrian Steineck

Von Adrian Steineck

Sa, 06. Februar 2010

Klassik

Auftakt von "Aspekte der freien Improvisation" im Kesselhaus Weil mit Walter Fähndrich, Peter K Frey und Hansjürgen Wäldele

"Das ist ja fast wie im Wohnzimmer": Dieser Kommentar einer Besucherin bringt die Stimmung vor dem Auftritt auf den Punkt. Zwölf Zuhörer haben sich am Donnerstag im Kesselhaus eingefunden, um dem Konzert zum Auftakt der Reihe "Aspekte der freien Improvisation" zuzuhören. Zur intimen Stimmung trägt bei, dass die Instrumente nicht auf der Bühne des Kesselhauses aufgebaut sind, sondern im Zuschauerraum. So werden die Besucher gleich zum Teil des Geschehens.

Hansjürgen Wäldele umreißt das Konzept – oder vielmehr die Konzeptlosigkeit – der Reihe, die nun bereits im siebten Jahr veranstaltet wird. "Alles, was wir spielen, ist improvisiert. Es gibt keine Absprachen zwischen uns", sagt Wäldele, der in diesem Jahr die drei zum Thema der Konzertreihe gemacht hat. Denn: "Die Dreierbesetzung bietet für den Musiker die idealen Entfaltungsmöglichkeiten."

Nach einem Moment des Sammelns beginnt das Trio mit Walter Fähndrich an der Viola, Peter K Frey am Kontrabass und Hansjürgen Wäldele an der Oboe seine musikalische Reise. Immer wieder erzeugen die drei Klänge, die manchmal von rauer, avantgardistisch anmutender Schlichtheit sind – "Störgeräusche" wird es eine Zuhörerin später nennen –, dann wieder eine zarte, zerbrechliche Schönheit entfalten. Während der Pausen ist es so leise im Saal, als habe dieser Klangtrip den Besuchern den Atem verschlagen. Am ehesten lässt sich die hier erzeugte Musik vielleicht noch mit den Klangflächenkompositionen des ungarischen Komponisten György Ligeti vergleichen. Drei sensible Musiker lauschen hier einander, treiben sich voran und leben ganz im musikalischen Moment. Und auch wer bisher meinte, ein Kontrabass sei ein reines Streichinstrument, wird hier eines besseren belehrt: Peter K Frey trommelt auf den hölzernen Körper des Instruments und streichelt diesen sogar auf der Suche nach abwechslungsreichen Klängen.

Nach der etwa 45-minütigen Improvisation stellt sich das Trio den Fragen des Publikums. Ob es wirklich keine Absprache zwischen den Musikern gab, will jemand wissen. "Nein, aber jedes Stück gibt bereits Infos zum nächsten", weiß Walter Fähndrich. Eine Besucherin, die dem Konzert mit geschlossenen Augen gefolgt war, fasst den Eindruck zusammen, als sie sagt: "Es war wie ein musikalischer Meditationsfilm."