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01. Februar 2012
Ordnung im Kinderzimmer
Die Pianisten Hans Fuhlbom und Klaus Simon am Toy Piano.
Ein verkanntes Genie: Schroeder, der glühende Beethoven-Liebhaber, kann seinem Spielzeug den üppigen Klang eines Konzertflügels verleihen. Seine Verehrerin Lucy interessiert das aber nicht – sie ist glücklich, wenn er auf seinem Toy Piano einstimmige Kindermelodien klimpert und den profanen Glockenspielklang des Kinderklaviers beibehält: für den reifen Künstler Schroeder ein Affront. In Charles M. Schulz’ Comicserie "Die Peanuts" wird der klassische Konflikt zwischen banaler Unterhaltung und hehrer Kunst in das Kinderzimmer verlegt.
Wenn man so will, vermittelten Hans Fuhlbom und Klaus Simon, Solisten der Holst-Sinfonietta, jetzt zwischen diesen beiden Polen: zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt, zwischen Dada und Innerlichkeit. Die Pianisten hatten einen "Fuhrpark" von vier Toy Pianos in die Elisabeth-Schneider-Stiftung gebracht und gaben unter dem Motto "Toy, Toy, Toy!" Einblicke in das überraschend vielfältige Repertoire für dieses Instrument. Gewidmet war der Abend John Cage, dem Urvater des Toy-Piano-Repertoires.
In diesem Sinne bot seine "Suite for Toy Piano" von 1948 den Auftakt des Abends – akzentuiert vorgetragen von Klaus Simon. Anno Schreier hatte eigens "Drei Kanons" komponiert, die durch ihre strenge Anlage sozusagen Ordnung in das Kinderzimmer brachten. Karlheinz Essls enigmatisches "WebernSpielWerk" blieb kompositorisch und interpretatorisch vor allem im Ungewissen – da half dem Zuhörer auch Fuhlboms durchaus sympathisches Eingeständnis nicht viel, ihm gebe das Stück selbst noch einige Rätsel auf.
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Doch auch im weitesten Sinne Infantiles konnte man hören: In "Hämmerklavier XX – One Man Band 2" von Moritz Eggert war das Toy Piano nur eines von vielen Utensilien (Mundharmonika, Quitschente), die Klaus Simon zu Hilfe nahm, während er mit verschiedenen Körperteilen auf den Flügel einhämmerte. Auch die zweite Uraufführung des Abends, "Gogols Nachtlied" von Gilead Mishory, nahm es mit der hehren Kunst nicht ganz so ernst: Basierend auf Tommaso Landolfis grotesker Erzählung "Gogols Frau" stand hier Nikolai Gogols Beziehung zu einer Gummipuppe im Zentrum: bei aller absurden Komik eine raffinierte Komposition, die dem "Toy Piano" das "Love Toy" zur Seite stellte.
Zum Abschluss gab es dann ein Stück, das vielleicht auch dem jungen Künstler Schroeder gefallen hätte: Louis Andriessens "The Memory of Roses" – ein zartes, ja sogar ein sentimentales Stück, von Hans Fuhlbom und Klaus Simon hintergründig interpretiert. Nur ein Wimpernschlag und die ausgelassenen Klänge waren wieder melancholisch und unergründlich.
Autor: Martin Andris
