Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

31. Januar 2012

Schmerzlich schöner Nachtgesang

Das Ensemble Aventure konzertierte in der Freiburger Elisabeth-Schneider-Stiftung.

"Ein world pour todos" war das jüngste Konzert des Ensembles Aventure in der Freiburger Elisabeth-Schneider-Stiftung betitelt, augenzwinkernd in einem vielsprachigen Kauderwelsch. "Eine Welt für alle": Zu der evozierten Vielfalt stand es nur scheinbar im Widerspruch, dass ausschließlich Werke lateinamerikanischer Komponisten zu hören waren. Denn die jeweiligen Konzeptionen und Klangsprachen unterschieden sich beträchtlich.

Explosive Gesten bestimmten die Werke von Rodolfo Acosta und Germán Romero. Während aber in dem (dem Abend seinen Titel leihenden) Stück des Erstgenannten gegen Schluss ein mit dunkelleuchtender Klanglichkeit musiziertes Trio von Flöte (Martina Roth), Klarinette (Walter Ifrim) und Fagott (Wolfgang Rüdiger) sich wie eine Ruhe-Insel aus dem Hochbetrieb der übrigen sechs Instrumente lösen zu wollen schien, war in Romeros "Cruces" slles fieberhaftes Treiben. Über dem pulsenden Rhythmus des Kontrabasses (Johannes Nied) und den perkussiven Akzenten des Klaviers (Akiko Okabe) zwangen Friedemann Treiber (Violine) und Walter Ifrim ihren Instrumenten letzte Grade der Virtuosität ab.

Werbung


Eine ganz andere Welt eröffnete der uraufgeführte "Tercer estudio para lágrimas" von Mariano Etkin, ein stilles, poetisches Duett für Horn (Delphine Gauthier-Guiche) und Kontrabass. Wie in Zeitlupe verlangsamte Melodielinien laufen darin auf-, mit- und auseinander, fügen sich in der schön ausgehörten, gedämpften Klanglichkeit der beiden Instrumente zu einem Nachtgesang von schmerzlicher Schönheit. Stets entwickelten die Ausführenden aus dem Moment heraus mitreißende musikalische Spontaneität, eine zugleich nonchalante und akkurate Intensität des Formulierens, die unter die Haut ging. Natalia Solomonoffs "Tarjo II", die zweite Uraufführung des Abends, schien trotz expliziten Bezuges auf den argentinischen Tango im Wechselspiel von plötzlichen Impulsen und anhaltendem Stillstand eher den konventionellen Vorgaben europäischer Neuer Musik zu entsprechen. Mesias Maiguashca und Edgar Barroso – der älteste und der jüngste der gespielten Komponisten, beide persönlich anwesend – vertraten so etwas wie eine musikalische Avantgarde, indem sie den akustischen Instrumenten Elektronik (Alexander Grebtschenko) gegenüberstellten.

Mochten sich die dem Abend zugrundeliegenden Konzepte dem Hörer nicht sogleich aufschließen, so gaben doch die verschiedenen Arten, die akustischen Gegensätze durchzuspielen (und zu vereinen) trefflich Anlass zum Mit- und Weiterdenken.

Autor: Gero Schreier