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04. Februar 2012
Schöne Stimmen entfalten sich im Klang des Ensembles
Das Vokalensemble "Amarcord" gastierte nach 20 Jahren erstmals im Lörracher Burghof mit dem Programm "Traumlicht".
Sehr lange hat es gedauert bis zu ihrem Lörrach-Debüt. Erst jetzt, da das Vokalensemble "Amarcord" bereits 20 Jahre Bühnenkarriere feiern kann, kam es erstmals in den Burghof, in das Haus der Stimmen. Was verwundert, zumal das aus ehemaligen Thomanern bestehende Sängerquintett aus Leipzig international mit außergewöhnlichen Projekten Furore macht. In Lörrach gaben sich die fünf Herren als Romantiker. Sie widmeten sich in "Traumlicht" der Epoche der Spätromantik und Neoromantik. Der ganze Abend war wie eingehüllt in eine Atmosphäre des Kantablen, des Träumerisch-Melancholischen, des feinsinnig subtilen Gesangs.
Die Sätze von Richard Strauss, Max Reger, Edward Elgar und Edvard Grieg für Männerstimmen basieren auf alten Volksliedern. Diese große Komponisten haben sich davon inspirieren lassen und eigene Kompositionen geschaffen, die weit mehr sind als Bearbeitungen. Entsprechend diffizil sind diese im Original für Doppelquartette, Männerchöre und Liedertafeln geschriebenen Sätze gesangstechnisch zu meistern. Die Lieder drehen sich um das Thema Nummer eins zu allen Zeiten: die Liebe, die erfüllte, unerfüllte und verlorene Liebe, und sind in ihrer Mischung aus volkstümlicher Schlichtheit und höchster Kunstfertigkeit wahre Perlen der Literatur für Männerstimmen.
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So hat Richard Strauss in dem titelgebenden "Traumlicht" aus dem Zyklus "Drei Männerchöre" kongenial die hochromantische Lyrik von Friedrich Rückert vertont. Wunderbar fein verwoben klingen die Bassstimmen, schwebend zart die Tenorstimmen, erzeugen eine eigentümlich schwerelose Stimmung. Hier entfalten "Amarcord" ihren intonationsreinen Gesangsstil aufs Schönste.
Ihre Klangkultur, Stimmführung und Transparenz des Gesangs nimmt auch in den sechs Stücken des Norwegers Edvard Grieg aus dem Album für Männerchor op.30 gefangen. Diese Gesänge nach alten Volksweisen changieren zwischen tiefster Trauer und ausgelassener Freude. Differenziert und mit Einfühlung in Diktion und Idiom dieser Werke schöpfen die Tenöre Wolfram Lattke und Martin Lattke, Bariton Franz Ozimek und die Bassisten Daniel Knauft und Holger Krause die stilistische Spannweite zwischen Elegischem und Humorvollem aus. Berührend interpretieren sie das melancholische Lied eines Ritters, der den Tod seiner Geliebten betrauert. Aber auch die geselligen Lieder gelingen ihnen in vortrefflicher Kunst der Nuancierung.
In Vergessenheit geraten und von Amarcord wieder ans Licht geholt sind die Chorlieder des englischen Komponisten Edward Elgar aus der "Greek Anthology". In dieser Sammlung hat Elgar ins Englische übersetzte griechische Gedichte und Themen der Antike in Musik gesetzt. Schönes und Erhabenes klingt darin an, Liebesschmerz, aber auch die Faszination eines Sternenhimmels. Wie schon bei Grieg beeindrucken auch bei Elgar die Homogenität, und Durchzeichnung der Stimmen und der Ensembleklang.
Die Beweglichkeit der Stimmen begeisterte auch in den Sätzen von Richard Strauss und Max Reger im zweiten Programmteil. Feinfühliger und nobler kann man Strauss’ Lied "Liebe" oder "Fröhlich im Maien" kaum singen. Die Sänger stellten auch eine Auswahl selten zu hörender, kunstvoller Sätze von Max Reger nach Volksliedern vor. Herausragend in diesem Block war "Der Tod als Schnitter", der durch die sich fast auflösenden Harmonien und raffinierten dynamischen Effekten eine geheimnisvolle Stimmung beschwört. Aber auch "Lieblich hat sich gesellet" und das lyrische "Ich hab die Nacht geträumet" wurden von Amarcord präzise ausgeleuchtet. Die Sänger ließen in keinem Moment merken, wie stimmtechnisch fordernd diese Reger-Sätze sind, sondern nahmen mit erlesener Stimmqualität, sympathischem Charme und Humor für sich ein.
Mit zwei Zugaben, einem lautmalerischen Arrangement von "Es klappert die Mühle am laufenden Bach" und dem Silcher-Lied "Lebwohl", verabschiedeten sich "Amarcord" – bis zum nächsten Wiederhören vergehen hoffentlich nicht wieder 20 Jahre!
Autor: ros
