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27. Oktober 2010

Söhne aus dem Schatten geholt

Beeindruckendes Bach-Konzert der Kantorei Lörrach.

Ein reines Bach-Konzert ohne den großen Johann Sebastian Bach? Doch, das gibt es, und das geht sogar sehr gut, wie jetzt die Kantorei Lörrach unter Leitung von Bezirkskantor Herbert Deininger am Sonntag in der katholischen Kirche St. Bonifatius zeigte. Zur Aufführung kamen Chor- und Orchesterwerke von Komponisten aus der Familie und dem Umfeld von J.S. Bach, die sonst meist im Schatten des übermächtigen Barockmeisters und Übervaters stehen. Umso erfreulicher war nun das Engagement der Kantorei, trefflich unterstützt vom Ensemble Musica poetica Freiburg, dem Organisten Dieter Lämmlin und hervorragenden Vokalsolisten, den Bach-Söhnen Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann gebührende Aufmerksamkeit zu widmen.

Zunächst erklang die Kantate "Die Liebe Gottes ist ausgegossen" von Johann Ernst Bach, einem Patenkind und Schüler von Johann Sebastian Bach. Mit klarem, viel Wärme ausstrahlendem Sopran sang die Solistin Almut Teichert-Hailperin ihr Rezitativ und ihre ausgeschmückte Arie "Entzündet mich, ihr reinen Flammen". Auch vom Chorgesang und Instrumentalklang her hatte die Wiedergabe einen schön fließenden Duktus. Der 300. Geburtstag des ältesten Bach-Sohnes Wilhelm Friedemann gibt Gelegenheit, dessen fantasievolle Empfindungsgabe und leidenschaftlich-kraftvollen Ausdruck in den Werken zu entdecken. Unter Dirigat von Deininger spielte das Ensemble Musica Poetica die Sinfonia D-Dur von Wilhelm Friedemann Bach, die elegant und federnd in den schnellen Sätzen ist und im ruhigen Mittelteil anmutig und empfindungsvoll klingt. Das Freiburger Ensemble spielte das ansprechend, bewegt in den Farben der historischen Instrumente, dynamisch im Streicherklang und schön in der Klangrede und den Bläserfarben von Flöte, Oboe und Fagott.

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Hauptwerk des Kirchenkonzerts war Carl Philipp Emanuel Bachs Magnificat D-Dur, ein prächtiges geistliches Werk, das mannigfaltige Satz- und Stilformen aufweist: sehr schnelle, konzertante, affektreiche Sätze, in denen Chor und Orchester enorm gefordert sind, aber auch Soloarien voller Kantabilität, Innigkeit und Empfindsamkeit. Dies spannungsvoll darzustellen, gelang der Lörracher Kantorei, den Solisten und den Musikern der Musica Poetica höchst beeindruckend. Schon die schnellen, bewegten Passagen im Eingangschor hatten enorme Wirkungskraft im freudig erhebenden Chorgesang und im dynamischen Spiel der Streicher und Bläser. Sehr kompetent besetzt waren die Solopartien in diesem doch stark solistisch geprägten Magnificat. Almut Teichert-Hailperin gestaltete ihre Arie beseelt und mit schön geführtem Sopran; Felix Rienth glänzte in der Triumpharie mit koloraturengewandter, kräftig, hell und schlank klingender Tenorstimme; Florian Engelhardt überzeugt in der kraftvollen Baß-Arie "Fecit potentiam" mit sehr beweglichem, profund-wohltönenden Bass und die Altistin Heike Werner hat die richtige warme Stimmfarbe und Einfühlung für die ergreifende Alt-Arie "Suscepit Israel". Die Kantorei Lörrach beeindruckt im "Gloria Patri" mit kraftvoll aufstrahlendem Gesang. Der lange, begeisterte Beifall in der sehr gut besuchten Kirche sprach für sich.

Autor: ros