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01. Februar 2012

Tod, wo ist dein Stachel?

Der Freiburger Kammerchor mit Brahms’ Deutschem Requiem.

Ein bunter Schmetterling fliegt zum Himmel. Das Plakat des Freiburger Kammerchors zum Deutschen Requiem von Johannes Brahms erzählt nicht vom Tod, sondern vom Leben, nicht vom Winter, sondern vom Frühling. Für Dirigent Morten Schuldt-Jensen ist dieses Requiem ein Werk des Lichts. Und wer im Freiburger Konzerthaus seiner feinen, häufig fast kammermusikalisch intimen Interpretation lauschen durfte, der geht vielleicht ein bisschen verwandelt nach Hause – so verwandelt, wie es der Bariton Andreas Bauer mit mächtigem Pathos im sechsten Satz verkündet. So getröstet, wie es die Sopranistin Ditte Andersen im ganz lyrisch gesungenen "Ihr habt nun Traurigkeit" verheißt.

Schon der Beginn des Requiems öffnet die Ohren. Obwohl die Violinen in diesem Satz schweigen, ist der Klang licht und transparent. Die Melodielinie im Cello 1 wird von einem Barockcello gezogen, die Streicher des bis auf wenige Ausnahmen auf modernen Instrumenten spielenden Leipziger Kammerorchesters verzichten weitgehend auf Vibrato. Und wenn der Freiburger Kammerchor mit "Selig sind, die da Leid tragen" im homogenen, warmen Piano einsetzt, dann ist der verinnerlichte Ton erzielt, zu dem die Interpretation immer wieder zurückkehrt. Morten Schuldt-Jensen durchlüftet die Partitur. Im Orchester greift er immer wieder auf barocke Phrasierungen zurück, die den Ton frei geben und Raum lassen für die anderen Stimmen.

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Der Freiburger Kammerchor, der an diesem Abend nahezu professionelles Niveau erreicht, zeigt ähnliche Flexibilität. Bis in höchste Höhen souverän, verleiht der Chorsopran dem Ensembleklang ein intensives Strahlen; die anderen Register sind genau aufeinander abgestimmt. Dirigent Schuldt-Jensen achtet auf feine Übergänge, zarte Nachklänge und bewusst eingesetzte Klangfarben. Die langgezogenen Crescendi wie bei "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" sind organisch. Und wenn "des Herrn Wort" erklingt, dann härtet sich der gewaltige Forteklang, um die göttliche Autorität zu festigen.

Die gute Artikulation des Chores erfreut, die Beweglichkeit der Register verblüfft insbesondere bei den Fugen. Den Höhepunkt des Werkes markiert Schuldt-Jensen im sechsten Satz, als der Freiburger Kammerchor seine enorme vokale Kraft nochmals bündelt und den Korinthervers "Tod, wo ist Dein Stachel?" im Fortissimo ins Konzerthaus schleudert – wie einen gleißenden Lichtstrahl.

Autor: Georg Rudiger