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19. Januar 2012

Überzeugender Lobpreis

Weihnachtsoratorium in der Lörracher Christuskirche.

Weihnachtsoratorien und -historien gibt es viele, doch sind die meisten mehr oder weniger vergessen. Das bekannteste ist sicher Bachs Weihnachtsoratorium. In jüngerer Vergangenheit gewinnt aber auch Camille Saint-Saëns "Oratorio de Noël" an Bekannt- und Beliebtheit. Wie das Bachsche Werk ist auch es liturgisch gebunden: Die biblischen Texte in lateinischer Sprache des 1858 entstandenen Werkes weisen auf eine Verwendung in der Christmette hin, am Sonntag sang die Kantorei unter der Leitung von Bezirkskantor Herbert Deininger das Werk mit seinem über weite Strecken lyrisch-kontemplativen Grundcharakter in einem Konzert in der Lörracher Christuskirche.

Zwar ist der Part des Chores in dem Werk überschaubar, der Chor war aber jederzeit präsent, überzeugte durch seine Ausgewogenheit. Dabei setzte er sein breites dynamisches Spektrum als Ausdrucksmittel ein. Das Gloria wurde so zu einem mitreißenden Glaubensjubel. Als starker Kontrast zu den eher lyrischen Partien wurde die Passage über die tobenden Heiden gestaltet, der in einem überzeugenden Lobpreis der Dreifaltigkeit gipfelte. Ebenso überzeugend wie der Chor agierte das Streichorchester aus der Region mit dem Organisten Dieter Lämmlin an der Truhenorgel, besondere klangliche Höhepunkte bot die von Yvonne Deusch gespielte Harfe, unterstützte sie doch die pastorale Grundstimmung ideal.

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Das Solistenquintett indes war etwas unausgewogen: Während die Sopranistin Jacqueline Forster große Unterschiede zwischen den verschiedenen Lagen zeigte und so einen eher zwiespältigen Eindruck hinterließ, überzeugte die Mezzosopranistin Daniela Bianca Gierok mit ihrer vollen Stimme. Heike Werners warmer, immer klangschöner Alt und Karl-Heinz Brandts extrem textverständlicher Tenor mit seiner eleganten Höhe sind bei der Kantorei altbekannte und zuverlässige Größen. Dem Bassisten Ralf Ernst mit seiner sonoren Stimme fehlte es vielleicht noch etwas an Souveränität.

Begonnen hatte das Konzert mit Bachs "Nun komm, der Heiden Heiland" BWV 61, einer Kantate für den ersten Advent und somit den Beginn eines neuen Kirchenjahres. Entsprechend prachtvoll ist sie gestaltet. Orchester, Solisten und Kantorei gelang eine dichte Wiedergabe des Werkes, immer präzise und mit Leben gefüllt. Händels Konzerte op. 4 für Orgel und Orchester entstanden ursprünglich als Zwischenaktmusiken zu seinen Opern, von ihm selber als Organisten wird mit höchstem Lob berichtet. Sicher verdient dieses auch Dieter Lämmlin, der mit dem Streichorchester das erste dieser Konzerte in g-moll interpretierte. Mitreißend wurde das Wechselspiel zwischen Orchester und Orgel gestaltet. Gerade im virtuosen zweiten Satz konnten die Musiker ihre Klasse unter Beweis stellen: eine gefällige Interpretation eines selten gehörten Werkes.

Autor: Grischa Freimann