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01. Februar 2012
Unterschiedliche Klangwelten
"Connaissez-vous" in Riehen.
Es war ein für Ausführende wie Publikum außerordentlich anspruchsvolles Konzert: das zweite Konzert der Connaissez-vous-Konzertreihe "Innovations Français" in der voll besetzten Riehener Dorfkirche. Der thematische Schwerpunkt dieser Konzertreihe liegt diesmal auf der produktiven französischen Musik nach 1850 mit ihren vielfältigen Innovationen. Quasi als "Ouvertüre, damit das Konzert nicht mit einem allzu melancholischen Stück seinen Anfang nehmen musste und sich das Publikum geruhsam an das nötige sehr feinfühlige Hören gewöhnen konnte", interpretierte die Harfenistin Ursula Holliger Claude Debussys "La Fille aux Cheveux De Lin", ein zugängliches Werk, gefällig interpretiert. Die 1916 komponierte Sonate für Flöte, Viola und Harfe Debussys eröffnete dann das eigentliche Konzert. Neben Ursula Holliger interpretierten der Flötist Peter-Lukas Graf und der junge Bratschist Veit Benedikt Hertenstein dieses selten gehörte Werk, bei dem die drei Musiker – alle Meister ihrer Instrumente – mit einem ungemein breiten dynamischen Spektrum agierten. Die musikalischen Linien wurden hervorragend und vollkommen bruchlos weiter gegeben. Nuanciert und differenziert wurden die unterschiedlichen Duopassagen des zweiten Satzes gestaltet, die Klänge schienen zu schweben. Beispielhaft war die Einheitlichkeit der Interpretation, natürlich ergänzten sich die Instrumente zum Trio. Der virtuose Schlusssatz der Sonate wurde zum mitreißenden Finale, bei dem die unterschiedlichen Passagen intensiv gestaltet wurden.
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Ganz andere Klangwelten bot die Sonate für Violine und Cello von Maurice Ravel, die der Geiger Thomas Wicky-Stamm und der Cellist Emanuel Graf wunderbar einheitlich interpretierten: kaum merkte man, dass da zwei und nicht nur ein Instrument spielte. Sehr reizvoll geriet gerade der zweite Satz mit seinem Pizzicato-Beginn, gefolgt von geradezu brutalen Schlägen des Cellos. Als scharfen Kontrast dazu interpretierten die Musiker den dritten Satz mit seiner ausgedehnten Cello-Kantilene. Die unterschiedlichen Charaktere wurden stilsicher getroffen, auch die Wechsel zwischen lyrischeren und dramatischen Passagen im Schlusssatz gelangen bruchlos.
In den "Trois strophes sur le nom de Paul Sacher" für Cello solo des noch lebenden Komponisten Henry Dutilleux konnte Emanuel Graf alle Klangmöglichkeiten seines Instrumentes vorführen: Pizzicato-Klänge über breit gestrichene hin zu Tremolo- wie Glissando-Passagen bot schon der erste Satz. Mit seinen breiten Kantilenen war der zweite Satz dann wiederum ein scharfer Kontrast.
Das gefälligste Stück war dann vielleicht das letzte: die "Sérénade" für Harfe, Flöte, Violine, Viola und Violoncello des 1869 geborenen Albert Roussel, der mit seinen Karrieren in Marine und Musik in der Musikgeschichte sicher einzigartig ist. Organisch variierten die Musiker die Tempi, die musikalische Entwicklung folgte natürlich einer inneren Notwendigkeit, das Werk wurde lebendig, geradezu mitreißend interpretiert, die ganze Pracht dieser aus dem Jahre 1925 stammenden Komposition wurde ausgebreitet. Dabei wurde den jeweils führenden Instrumenten immer hinreichend Raum zur Entfaltung gelassen. Am Schluss großer Beifall und Roussels Schluss als Zugabe.
Autor: gmf
