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26. März 2014

Wenn das Klavierspiel Spiel ist

Christian Zacharias beglückt zum Auftakt des Zweiten Freiburger Emil-Gilels-Festivals mit Mozart und Schubert.

Bei manchen Pianisten kann man ahnen, was einen erwartet, bevor eine Note erklungen ist. Christian Zacharias kommt auf die Bühne des Konzertsaals der Freiburger Musikhochschule, verbeugt sich kurz und setzt sich an den Flügel. Er versinkt nicht in eine Konzentrationsphase, streicht sich nicht die Haare aus dem Gesicht, schraubt auch nicht am Klavierstuhl. Er fängt einfach an zu spielen – mit offenen Augen und weichem Anschlag. Mozarts Pariser Klaviersonate in a-Moll KV 310 steht bei diesem Eröffnungskonzert des Zweiten Freiburger Emil-Gilels-Festival auf dem Programm.

Zacharias spielt sie verbindlich – mit zarten Bässen und beseelten Melodien. Selbst starke dynamische Gegensätze wie in der Durchführung des Kopfsatzes lässt er nicht einfach aufeinanderprallen, sondern vermittelt zwischen ihnen. Der Übergang in die Reprise fließt ganz natürlich – ohne jede Verzögerung. Auch wenn in das wunderbar schwebende Andante cantabile con espressione die Dramatik einbricht und dem Hörer der Boden unter den Füßen weggezogen wird, inszeniert das Zacharias nicht als Schock.

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Effekthascherei ist dem 63-jährigen Pianisten, der auch als Dirigent eine beachtliche Karriere vorweisen kann, gänzlich fremd. Sein Klavierspiel ist vor allem Spiel – mit Verzierungen und Bassgängen, mit charmanten Dialogen zwischen rechter und linker Hand. Auch technisch ist der in Karlsruhe groß gewordene Pianist auf hohem Niveau, was er nicht nur bei Mozarts F-Dur-Sonate KV 533/494 unter Beweis stellt. Mühelos perlen die Sechzehntelketten im Rondo.

Neben Mozart ist Schubert ein zweiter Schwerpunkt seines Repertoires. Und auch hier liegt ein Weichzeichner über der Interpretation, der das Klavier singen lässt. Die berühmten Basstriller im Kopfsatz von Schuberts letzter Klaviersonate in B-Dur bringen in Zacharias’ Interpretation keine Verstörung mit sich, sondern werden eher als Farbe wahrnehmbar. Den großen Dimensionen lässt er Raum und Zeit. Das extrem Leise meidet er – da darf man gespannt sein, was Pianoflüsterer Grigory Sokolov am Donnerstag bei seinem Chopin-Programm dem Flügel entlocken wird. Rhythmische Genauigkeit und die Kunst, große Zusammenhänge zu erzählen, zeichnen Zacharias ebenfalls aus. Und wenn der Pianist doch mal in der linken Hand heftige Akzente setzt wie im Trio des Scherzos, dann spitzt man gerade in diesem Kontext die Ohren. Und erlebt jenes "musikalische Glück", das Rektor Rüdiger Nolte in seiner kurzen Ansprache vor dem Konzert dem Publikum gewünscht hatte.

Festival noch bis 29. März. Informationen unter http://mehr.bz/gilels

Autor: Georg Rudiger