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24. November 2010
Wirklich wie im Märchen
"Der Nussknacker – Eine Weihnachtsgeschichte": Schöne getanzte Bilder im Badischen Staatstheater Karlsruhe.
Pünktlich zur Vorweihnachtszeit verwandelt sich die Bühne des Opernhauses im Badischen Staatstheater Karlsruhe in ein Wintermärchen. Verschneite Landschaften und niedliche Zuckerwattehäuschen stimmen ein auf das Karlsruher Märchenballett "Der Nussknacker – Eine Weihnachtsgeschichte". Tschaikowskys berühmtes Nussknacker-Ballett ist doch schon eine Weihnachtsgeschichte, mag man sagen. Aber der Choreograph Youri Vámos hat bereits 1988 den bekannten "Nussknacker" mit der schlicht "Eine Weihnachtsgeschichte" genannten Erzählung von Charles Dickens kombiniert. Dieser schrieb im 19. Jahrhundert gegen den Raubtierkapitalismus an, aber stets mit einem Happy End, das seinen Glauben an das Gute im Menschen dokumentierte. Auch in Dickens’ "Weihnachtsgeschichte" läutert sich der geizige Misanthrop Scrooge zu einem netten großzügigen Zeitgenossen. Inhaltlich fällt bei der Verknüpfung beider Geschichten zu einem einzigen Ballett erwartungsgemäß einiges unter den Tisch. Was in der Aufführung durch das Karlsruher Ballettensemble bleibt, ist ein kurzweiliges Märchen, das sich in der Ausstattung von Michael Scott weder vor Kitsch noch vor dem Auftritt eines herrlich tuntigen Sado-Maso-Teufels scheut.
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In einem idyllischen Sträßchen tummelt sich das Ensemble als Bäcker, Metzger, Maronenfrau und Spielwarenhändler, ausgelassen tollt die Jugend in Weihnachtsstimmung herum. Hier trägt die Spielfreude der Tänzerinnen und Tänzer die Szene. Scrooge verdirbt allen die Stimmung, indem er die braven Bürger an ihre Schulden bei ihm erinnert und seinen Buchhalter entlässt. Dessen Tochter Clara wird zu Weihnachten wohl keinen Nussknacker bekommen – oder?
Marcos Menha erweist sich in der Rolle des Scrooge als begabter Komödiant. Die Abenteuer des träumenden Fieslings, im Himmelbett hoch über der Bühne schwebend, werden dank Menhas ausdrucksvoller Mimik und Körpersprache zu purem Vergnügen. In seinem Traum erscheinen Scrooge süße kleine Mädchen , die er mit riesigen Paketen beschenkt. Aus den Paketen kommen die Charaktertänze, wie sich das zur Musik von Tschaikowsky gehört. Clara und der Nussknackerprinz erscheinen ebenfalls, als Traum von einem makellos getanzten klassischen Grand Pas de deux. Flavio Salamanca, technisch perfekt und sprungsicher, brilliert als Prinz. Sabrina Velloso bezaubert als kindliche Clara. Auch der Kristallwalzer findet hier seinen Platz in wunderschönen getanzten Bildern. Der Höhepunkt ist die gut gelaunte Persiflage, die Marcos Menha und die kleinen Ballettschülerinnen darauf tanzen; die Nachthemden fliegen, Scrooges Zipfelmütze wirbelt, dass man gar nicht anders kann als mitzulachen. Nach dem Erwachen folgt nicht die Ernüchterung, sondern das Happy End mit großem Ensemble. Das Premierenpublikum war begeistert. Wer eine Karte will, muss auf das Eingreifen der Weihnachtsfee hoffen: Alle Vorstellungen sind ausverkauft.
Autor: Nike Luber
