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08. Februar 2012
"Auf Bach baut meiner Meinung nach alles auf"
BZ-INTERVIEW mit dem Cellisten Julian Arp.
"Ich hüte mein Cello wie meinen Augapfel", sagt Julian Arp. Er kommt am Sonntag mit einem ambitionierten Solo-Programm in den Burghof. Roswitha Frey sprach mit Arp über sein Konzert in der Reihe "Junges Podium", sein Engagement für zeitgenössische Musik und Bach als Herzensangelegenheit.
BZ: Herr Arp, bei Ihrer Matinee spielen Sie Kurtág und Ligeti – ein mutiges Programm. Gehen Sie gern Wege abseits des Standard-Repertoires?Arp: Ich weiß nicht, ob es mutig ist. Aber es sind Stücke, die mir sehr nahe sind. Ich habe mit György Kurtág oft zusammengearbeitet und zahlreiche Meisterkurse bei ihm besucht. Durch ihn erhielt ich sehr wichtige Einsichten in viele große Kammermusikwerke. Später habe ich mich dann mit seiner Musik beschäftigt. So hat er mich nach Budapest eingeladen, wo ich mit ihm die Streichtrio- und Solostücke erarbeiten konnte. Ich liebe Kurtágs Tonsprache, weil jeder Ton bei ihm eine Bedeutung hat und er tiefe, menschliche Emotionen in Töne umformen kann, die den Hörer unmittelbar ansprechen. Die Stücke, die ich spiele, sind aphoristisch und manchmal sehr kurz.
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BZ: Und wie sieht es mit Ligeti aus?
Arp: Die Sonate von Ligeti ist zwischen 1948 und 1953 geschrieben worden. Der erste Satz hat für mich eine fast mittelalterliche Tonsprache und klingt wie ein Relikt aus einer fernen Vergangenheit. Der zweite Satz versprüht eine unglaubliche Energie mit volkstümlichem Gestus. Vor dieser modernen Musik muss man keine Scheu haben! Sie ist zeitlos und bleibt immer aktuell.
BZ: Als Mitbegründer und künstlerischer Leiter des Festivals Zeitkunst ist Ihnen wohl generell die zeitgenössische Musik wichtig?
Arp: Ich bin immer auf der Suche nach großer, wahrhaftiger Musik, die fähig ist, mich und andere zu berühren. Dabei muss man auch in der Gegenwart schauen, weil wir sonst nur zurückblicken. Bei der Auswahl sollte man natürlich kritisch bleiben, weil modern nicht immer gleich gut ist. Bei dem Zeitkunst-Festival kombinieren wir zeitgenössische Musik mit moderner Lyrik und arbeiten auch mit visuellen Künstlern zusammen. Ich finde diesen Austausch sehr wichtig, weil man dadurch einen anderen Blick auf das eigene Wirken bekommt.
BZ: Als Klammer haben Sie zwei der Cello-Solosuiten von Bach im Programm, die als Prüfsteine gelten. Sehen Sie Bach auch als Prüfstein?
Arp: Bach ist für mich nie Pflicht, sondern eine meiner großen Herzensangelegenheiten. Seit meiner Kindheit beschäftige ich mich mit den Solosuiten, dem sogenannten Alten Testament für Cellisten. Auf Bach baut meiner Meinung nach alles auf. Ich spiele bei diesem Rezital die Suiten in G-Dur und d-Moll. Durch die beiden Tonarten ergibt sich ein Rahmen von G nach D. In diesem musikalischen Raum befinden sich die beiden ungarischen Komponisten.
BZ: Sonst sind Sie viel als Kammermusiker unterwegs, hier erlebt man Sie als Solist. Ist so ein Soloprogramm eine besondere Herausforderung?
Arp: Ja, natürlich. Man braucht ein hohes Maß an Konzentration. Bei einem Solokonzert habe ich neben dem Publikum nur den Raum als mein Gegenüber. Mit der Akustik kann man jedoch auch spielen. Sie reagiert auf alles, was man klanglich in Richtung Publikum schickt. Deshalb genieße ich es auch, alleine auf der Bühne zu sein, ganz für mich, von den Tönen umgeben. Das ist eine sehr intime Erfahrung.
BZ: Wie hat Sie das Studium bei dem legendären Boris Pergamenschikow geprägt?
Arp: Das Studium bei Pergamenschikow hat mein Leben verändert, es war eine sehr intensive Zeit. Ihm war es wichtig, dass man sich nicht nur als Cellist, sondern auf allen Ebenen weiterentwickelt. Als ich ihm 2001 in Berlin vorspielte und er mich in seine Klasse aufnahm, empfand ich es wie einen Ritterschlag.
BZ: Gibt es neben Pergamenschikow andere große Cellisten, die Sie bewundern?
Arp: Ich glaube, jeder Cellist muss seinen eigenen Weg und Klang finden. Ich schätze viele große Cellisten, aber man darf deren Ton oder Interpretation nicht imitieren, sonst wird es zur Karikatur. Man muss sich selber auf die Suche nach dem Gehalt der Stücke machen und mit der eigenen Persönlichkeit und seinen Emotionen die Werke nachschöpfen.
BZ: Sind Sie mehr der romantisch-expressive oder der streng-analytische Spielertyp?
Arp: Immer so wie es das Stück verlangt. Man hat nicht nur einen Klang. Jedes Stück verlangt ein anderes Vibrato, andere Bogenführung und Artikulation. Es ist wichtig, dass man Bach wie Bach und Brahms wie Brahms spielt. Die barocke Musik sollte man frei atmen lassen.
BZ: Sie haben kürzlich Ihr Cello gewechselt, haben Sie sich schon an das neue gewöhnt?
Arp: Seit 2010 spiele ich auf einem eigens für mich angefertigten Cello, der Kopie eines Cristiani Stradivari-Cellos von 1700. Vorher habe ich acht Jahre lang ein italienisches Cello von Giuseppe Antonio Rocca von 1839 aus dem Deutschen Instrumentfonds gespielt. Ich empfinde es als große Herausforderung, mit dem neu gebauten Cello einen eigenen Klang zu formen. Man braucht bei einem Instrumentenwechsel immer ein paar Monate, um richtig mit dem Cello zusammenzuwachsen. Von Anfang an hat das wunderbar funktioniert, ich fühle mich ganz zu Hause auf diesem Cello.
– Matineekonzert mit Julian Arp, Sonntag, 12. Februar, 11 Uhr, Burghof Lörrach Tickets: Bei den BZ-Geschäftsstellen
ZUR PERSON: JULIAN ARP
1981 in Soltau geboren, begann er 2001 sein Studium an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin, zunächst in der Meisterklasse von Boris Pergamenschikow, seit 2004 bei David Geringas. Zudem nimmt er an Meisterkursen bei György Kurtág, Steven Isserlis und anderen teil. Arp ist mehrfacher Bundespreisträger bei "Jugend musiziert", gewann mit seinem Duopartner Caspar Frantz mehrere internationale Kammermusik-Preise. Der Cellist ist Mitbegründer und Leiter des Festivals Zeitkunst für Kammermusik und Literatur der Gegenwart.
Autor: ros
Autor: ros
