Klassiker der Wiener Schule, klassisch schön interpretiert

Stefan Pöhler

Von Stefan Pöhler

Mo, 15. Juli 2013

Ettenheim

Das Abegg Trio erweist zum Abschluss des Ettenheimer Musiksommers dem Triumvirat Haydn, Mozart, Beethoven seine Reverenz.

ETTENHEIM. Der Wiener Klassik hat im Ettenheimer Bürgersaal ein Hammerflügel Präsenz verliehen. Mozart, Haydn und Beethoven hatten einen solchen besessen. Gerrit Zitterbart hatte die Kopie dieses um 1800 von Anton Walter gebauten Instruments aus seiner Sammlung mitgebracht. Das Abegg Trio interpretierte mit dem Klaviertrio A-Dur von Haydn (Hobb.XV:18), Mozarts Trio in B-Dur (KV 502) und Beethovens viersätzigem op.1,3 Werke, die zwischen 1786 und 1794 in nur acht Jahren entstanden sind. Beim letzten Konzert des siebten Ettenheimer Musiksommers gelang eine unglaubliche Dichte in beglückender Verschiedenheit der teilweise aufeinander bezogenen Kompositionen. Auch weil Abegg seit 37 Jahren nicht nur für die Klassik eine Klasse für sich darstellt.

Der Flügel hell, perlend leicht gebaut mit geringer Saitenspannung nimmt einen sofort mit in eine Aufführungssituation zu Zeiten der Meister. Doch die lichte Härte, die die mit Leder bezogenen Hämmer erzeugen, will belauscht werden und führt in den wunderbaren Themen hinunter in Mozartsche Tiefe, wie in den heiteren Schlag einer "Bauernquarte" in Haydns Schlusssatz. Nicht immer ist das Tasteninstrument präsent, aber immer ist Ulrich Beetz (Violine) und Birgit Erichson (Cello) bei ihm. Schlafwandlerisch schön, voll dunklem Grundfluss sind alle Übergänge, natürlich und doch nuanciert ist jedes Detail. Abegg ist in einer Weise "zusammen", die den Blick in die Tiefe der Zeit und Komposition mit einbezieht. Das ist Klang, sowohl erprobte wie hellwache Intuition, eine Kraft, die Birgit Erichson mit ihrem tiefen Blick zu den Mitspielern im präsenten Pastell ihres Cellos jederzeit erwecken kann.

Beethoven greift in seinen kraftvollen Ideen am meisten aus. Stetige Glut im Gusstopf seines Kopfsatzes will geschmiedet sein. Und Abegg ist die Form in der das Feuer und der Funke lebt und nicht erkaltet. Glühende Crescendi, zauberhafte Leuchtkraft in einem Klaviertrio, das wie kein anderes die überraschend sonore Basslage des Flügels ausgiebig nutzt. Mehr als mit modernen Instrumenten wird hier Klang zu einem Erlebnis, das die Kompositionen in ein anderes Licht stellt. Und Abegg stellt mit seinem klangvollen Interpretationswillen viele in den Schatten, die nur auf Perfektion aus sind. So konnte der Charakter der Kompositionen gerade durch dieses sehr charakteristische Ensemble leben.

Als Beethovens Schlusssatz, das Prestissimo, rauschend seinem Schluss zueilt, besinnt sich der Komponist und Pianist Beethoven nochmal ganz auf den Klang des Instrumentes. Ganz allein trägt der Hammerflügel das letzte Glimmen des Themas in ein zauberhaftes Aufhören, dem die Streicher einen letzten Akzent verleihen. Ganz großer Applaus.

Und dankbar verliert man sich als Zuhörer in einer Zugabe, dem langsamen Satz aus Beethovens Trio in G-Dur. Über Beethovens Linie in diesem wunderbaren Klang fragt man sich, ob dieses Ausnahme-Ensemble wohl noch einmal nach Ettenheim kommen wird.

Der siebte Ettenheimer Musiksommer ist nun vorbei. Und unabhängig vom Wetter: Er war auch zuletzt klassisch schön.