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25. Februar 2010

Kleiner Motocross-Cowboy

Eltern und Manager planen die Karriere des zehnjährigen Rickenbachers Lee-Marvin Weissensee.

  1. Hoch hinaus geht es für den jungen Hotzenwälder Lee-Marvin Weissensee, wenn er auf seiner Maschine hockt. Foto: privat

  2. Foto: privat

MOTORSPORT. Wenn so ein Bild im Kopf nur gleich stimmen würde. Beim Namen Lee-Marvin taucht in Gedanken zunächst der knorrige Schnauzbart Lee Marvin als Cowboy auf. Wie er mit seiner Reibeisenstimme brummt: "I was born under a wand’rin’ Star … "

Der Gedanke an einen zehnjährigen Jungen ist da erstmal fremd. Und doch scheint es, dass Annett und Lars Weissensee aus Rickenbach-Hottingen bei der Namensfindung für ihren Sohn nicht nur der klangvolle Name des US-Schauspielers inspirierte: "Wheels are made for rolling" singt Lee Marvin – Räder sind gemacht, um zu rollen. Der Satz trifft in der Familie Weissensee den Nagel auf den Kopf: "Schon als kleines Kind saß Lee-Marvin am liebsten auf dem Moped", sagt Vater Lars. "Er konnte eher Motorrad als Fahrrad fahren." Mittlerweile gilt der Schüler des MSC Schopfheim in Motocross-Kreisen als eines der größten Talente.

Bereits seit fünf Jahren fährt Lee-Marvin Motocross-Rennen. Er scheint auf der Maschine der glücklichste Mensch zu sein: "Nach seinem ersten Rennen brachte er gleich einen Pokal mit nach Hause. Als ich spürte, wie stolz ihn das macht, wusste ich, dass das sein Sport ist", sagt Mutter Annett. Sie steht voll hinter dem Sport ihres Sohnes.

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Angst um den Jungen hat sie nicht: "Ich bin natürlich froh, wenn er nach einem Rennen wieder heil nach Hause kommt. Er fährt sehr konzentriert. Ich habe vollstes Vertrauen in ihn." Sie spricht von ihrem Jungen wie von einem Routinier. So ganz falsch ist dieser Eindruck gar nicht: "Lee-Marvin hat schon jetzt sehr viel Erfahrung", versichert der Vater, der selbst viele Jahre aktiv Motocross gefahren ist: "Lee-Marvin hat seit seiner Geburt den Kontakt zum Motocross. Der Junge ist auf dem Motorrad aufgewachsen."

Ersten Rennen folgten früh Erfolge: 2006 wurde Lee-Marvin Zweiter der Landesmeisterschaft in der 50-Kubik-Klasse. Ein Jahr später stand er mit achten Jahren bei der baden-württembergischen und der Schweizer Meisterschaft ganz oben auf dem Treppchen seiner Altersstufe.

In Manfred Schäuble, 1984 immerhin Deutscher Meister, fand Lee-Marvin Weissensee einen Mentor und Fan. Mittlerweile ist der 51-Jährige aus Hogschür auch sein Manager. Schäuble rührt seit Wochen für den Fünftklässler die Werbetrommel und sucht Sponsoren. Er legt die Basis, dass Lee-Marvin in diesem Sommer sowohl die EMX-65-European-Championships, die DMCV-Meisterschaft und im Baden-Württemberg-Cup fahren kann.

"In Lee-Marvin wächst ein großes Talent heran", ist Manfred Schäuble überzeugt. "Wir wissen, dass er keine Chance haben wird, aus seinem Talent etwas zu machen, wenn wir ihn nicht unterstützen." So will Schäuble einen Freundes- und Förderkreis aufbauen, der einen Großteil der Kosten von 15 000 bis 20 000 Euro pro Saison stemmt.

An 30 Wochenenden wird Lee-Marvin Weissensee in den Sommermonaten in Sachen Motocross unterwegs sein. Stets begleitet von den Eltern und der kleinen Schwester Liz-Madeleine: "Sie ist Lee-Marvins größter Fan", sagt Vater Lars. "Wir achten darauf, dass alles im Rahmen bleibt", betonen die Eltern. Als Ausgleich zum Motorrad-Training betreibt der Sohn Judo und Eishockey. Damit die körperlichen Voraussetzungen stimmen und das Wachstum nicht gestört wird, kümmert sich Physiotherapeut Michael Greif aus Rickenbach einmal in der Woche um die optimale Entwicklung der Muskulatur und des Knochenbaus des Zehnjährigen.

Besonders wichtig ist Annett und Lars Weissensee: "Die Schule darf nicht leiden. Eine vernünftige Ausbildung steht an oberster Stelle." Schließlich ist nicht alles im Leben planbar, und schon Lee Marvin sang: "Any luck will never come true" – nicht alle Träume gehen in Erfüllung.

Autor: Matthias Scheibengruber