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23. Juli 2016

Betriebe leiden unter der Bürokratie

Bei seiner Informationstour war der Bundestagsabgeordnete Armin Schuster (CDU) auch bei zwei Wiesentäler Betrieben zu Besuch.

  1. Armin Schuster (2. v.re.) besuchte unter anderem den Familienbetrieb Leisinger Holzbau, um sich ein Bild von den Bedingunge zu machen. Links im Bild Dieter Vollmer, Vorsitzender der CDU Kleines Wiesental, rechts Horst Leisinger. Foto: Hans-Jürgen Hege

SALLNECK. Zwei Familienbetriebe waren am Mittwoch neben Gesprächen mit Bürgermeister Gerd Schönbett Ziel einer Informations- und Besichtigungstour des CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster. Organisiert hatte den Nachmittag im unter der Hitze stöhnenden Kleinen Wiesental der CDU-Ortsverband und dessen Vorsitzender Dieter Vollmer.

In der Runde wurde intensiv diskutiert über den Tourismus und die Vorzüge, aber auch die Probleme, die das Leben im ländlichen Raum bietet. In den Familienbetrieben Leisinger Holzbau und Trefzer Fensterbau, die zusammen im nicht immer leichten Umfeld 18 Arbeits- und Ausbildungsplätze vorhalten, fühlte Armin Schuster den Inhabern auf den Zahn – und durfte die Erkenntnis mit nach Berlin nehmen, dass es den Unternehmern auf dem Land keinesfalls an Mut, Einfallsreichtum, Risikobereitschaft und Verantwortungsgefühl, sondern vielmehr am Verständnis für die zunehmenden bürokratischen Hindernisse mangelt, die ihnen in den Weg gelegt würden.

Horst Leisinger, in seinem Holzbaubetrieb Chef einer elf-, ab September zwölfköpfigen Belegschaft, hat das Geschäft mit sechs Mitarbeitern 2006 von seinem Vater übernommen und kontinuierlich erweitert. Und er ist stolz darauf: "In den zehn Jahren habe ich acht Lehrlinge ausgebildet. Bis auf einen wurden alle übernommen. Und mein erster Azubi Uwe Giesin ist heute Meister in unserem Betrieb und meine rechte Hand."

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Die Erfolgsbilanz ist auch Teil der Firmenphilosophie, die nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass es im näheren Umfeld nicht gelingt, Facharbeiter zu finden. Leisingers Rezept dagegen klingt einfach und wirkt bisher prima: "Ich bilde Lehrlinge aus – derzeit in jedem der drei Lehrjahre einen – und versuche, die nach Beendigung der Lehre zu halten." Er investiere in Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter, das habe sich im Laufe der zehn Jahre bezahlt gemacht, betonte Kurt Leisinger, der auch keinen Hehl daraus machte, dass es vor fünf Jahren Spitz auf Knopf gestanden habe. "Wir hatten große Probleme. Ich hätte den Bettel beinahe hingeschmissen. Aber wir haben uns durchgebissen", erinnert sich der Patron, der in dieses "wir" vor allem seine Frau Andrea mit einbezog.

Kleine Betriebe kommen kaum an öffentliche Aufträge

Das wäre ein Nachteil nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Privatkunden, die 90 Prozent seiner Auftraggeber ausmachen und auf Handwerkskunst aus dem Kleinen Wiesental im wahrsten Sinne des Wortes "bauen". Von ihnen lebe der Betrieb, sagt Leisinger, dessen Sohn im Unternehmen des Vaters bereits seine ersten Sporen verdient. "Von öffentlichen Aufträgen könnten wir nicht existieren", erzählt der Chef seinem Gast aus Berlin. Er könne nicht so kalkulieren wie Firmen, die wegen ihrer Größe auch mal drauflegen könnten, um eine Auftrag zu erhalten. Da habe er das Nachsehen. Aber er verstehe auch nicht, warum die Gemeinde nicht öfter von ihren Möglichkeiten Gebrauch mache, beschränkt auszuschreiben. Das sei bei Aufträgen bis zu einer gewissen Größenordnung möglich. Schließlich bezahlten die ortsansässigen Betriebe im Gegensatz zu fremden Bietern Gewerbesteuer an die Gemeinde und biete Arbeitsplätze vor Ort, ärgerte sich Leisinger, der zehn Jahre als Gemeinderat und fünf Jahre als Ortschaftsrat am Ratstisch saß und dort die Erfahrung machen musste, dass aus den meisten Projekten, die beraten und beschlossen worden waren, "am Ende nichts geworden ist, weil es an Geld fehlte." Das, so hörte Armin Schuster, sei ein Hauptgrund dafür gewesen, dass er die Gemeindepolitik sein ließ. "Da war mir meine Zeit einfach zu schade. Ich habe diese Zeit dann doch lieber in meine Firme investiert."

Ähnlich liegen die Schwierigkeiten, mit denen sich der 1977 von Heinz Trefzer gegründete Fensterbaubetrieb zu kämpfen hat. Sechs Mitarbeiter zählt Heinz Trefzers Handwerksbetrieb. Trotzdem wiehert der Amtsschimmel mit seinen Vorschriften und Gängeleien immer wieder laut und vernehmlich dazwischen. Vor allem die Stundenzettel, die wegen des Mindestlohns geführt werden müssen und in kurzen Zeitabständen kontrolliert werden, empfindet man in Sallneck als Schikane. Die CDU sei gegen bürokratische Auswüchse, so Schuster. Er wies auch darauf hin, dass seiner Partei die Argumente ausgingen, wenn Ministerin Nahles seitenweise Listen vorlege, auf denen die erfinderischen Sünder aufgeführt sind, die versuchen, die Vorschriften mit fiesen Tricks zu umgehen.

Während Horst Leisinger kaum Probleme hat, aus der näheren Umgebung junge Leute für eine Lehrstelle in seinem Betrieb zu interessieren, sucht Heinz Trefzer solche Jugendliche oft vergebens. "Wir suchen händeringend einen Lehrling, finden aber keinen", sagte er und ist froh, auf die tatkräftige Unterstützung seiner Frau Renate und seiner Tochter Heike Winzer zählen zu können, die den Betrieb zusammen mit ihm und den vier engagierten Mitarbeitern, samt und sonders aus dem Kleinen Wiesental, gleichmäßig in Schwung halten.

Autor: Hans-Jürgen Hege