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19. September 2016

"Das waren noch Zeiten"

Von "Anke mache" bis "Zaine flechte": Beim Brauchtumsfest in Raich konnte man tief ins alte Handwerk eintauchen /.

Brauchtumspflege der besonderen Art war am Sonntag hoch oben in Raich zu erleben: Zahlreiche Besucher aus nah und fern kamen ins Golddorf, um bei den Vorführungen tief in das alte Handwerk rund um das Bauernleben im Schwarzwald einzutauchen.
Auch wenn das Wetter nicht mitspielte, tat dies der Veranstaltung keinen Abbruch. Mit Regenschirm und -jacke ausgestattet pilgerten die Besucher nach Raich, um beim großen Brauchtumsfest, das in jedem geraden Jahr im September stattfindet, mit seiner einzigartigen Atmosphäre dabei zu sein. Für diese Reise in die Vergangenheit waren rund 150 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Sie gehörten hauptsächlich dem Verein "Brauchtum im Kleinen Wiesental-Raich" an, der sich mit viel Herzblut für Erhalt und d Förderung des Brauchtums und Heimatgedankens engagiert.

Mitorganisatoren waren aber auch der Ortschaftsrat Raich, der Männergesangverein Ried, die Feuerwehr-Abteilung Raich und die Weide- und Forstgemeinschaft Raich. Kurz gesagt: Das ganze Dorf war mal wieder auf den Beinen und freute sich über das große Ereignis der besonderen Art.

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"Das waren noch Zeiten", war gestern oftmals an den 32 Stationen zu hören, an denen die Gäste alte Handwerkskünste und bäuerliches Brauchtum erleben konnten. Von "Hunk mache", "Moschde" und "Bäse binde" über "Schindle mache" und "Zaine flechte" bis hin zu "Wälle mache" und "Schnäfle" war alles dabei. Sowohl auf Erwachsene als auch auf Kinder hatten die Vorführungen eine große Wirkung: Erstaunen, aber auch Respekt für die zum Teil schweren körperlichen Arbeiten, war in den Gesichtern der Besucher abzulesen.

Doch beim Brauchtumsfest sind es nicht einfach nur Vorführungen: Besucher und Engagierte kommen schnell ins Gespräch, Wissen wird ausgetauscht und gemeinsam wird in Erinnerungen geschwelgt. Auch wenn das Verrichten dieser Arbeiten heute nicht mehr vorstellbar ist und moderne Maschinen längst Einzug in die Landwirtschaft gehalten haben, wurde die Besonderheit der alten Handwerkskunst einmal mehr deutlich: die Wertschätzung des fertigen Produkts, wie zum Beispiel "Hunk", "Anke" oder "Zaine", steigt ins Unermessliche.

Neue Feilenhauerei stand im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die neu aufgebaute historische Feilenhauerei – die größte Neuerung des Festes. Das Gebäude, das mit einem enormen Arbeitseinsatz sowie Material- und Geldspenden ermöglicht wurde, ist der ganze Stolz des Brauchtumsvereins und wurde am Sonntag präsentiert. Den ganzen Nachmittag über drängten sich Besucherströme in die Feilerei, um einen Blick auf wahre Schätze werfen zu können: drei Maschinen der ehemaligen Feilenhauerei in Wieslet mit den Baujahren 1899, 1928 und 1932. Diese mussten 25 Jahre lang auf ihre "Auferstehung" warten – in Raich wurde sie nun Wirklichkeit. An den Maschinen wurde in die Kunst des Feilenhauens eingeführt: Das Hauen der Feilen mit Maschinen und das Hauen der Raspeln von Hand wurden gezeigt. Beides braucht viel Geschick, Übung und Wissen. Rund um die Vorführungen gab es ein buntes Programm: Angefangen vom Frühschoppen-Konzert des Musikvereins Tegernau über die die Ausstellung alter Geräte, bis hin zur Verlosung einer Tombola. Die Besucher verweilten noch lange in der guten alten Zeit.

Autor: Sarah Trinler