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21. August 2008

Die Kelten und das Belchensystem

Spannender Vortrag im Wirtshausmuseum "Krone" über Himmelsbeobachtungen und Mythen über die drei Belchen

  1. Das Wirtshausmuseum „Krone“ war beim Vortrag von Professor Walter Hofbauer über Himmelsbeobachtungen und das Belchensystem proppevoll. Foto: Heiner Fabry

TEGERNAU Wenn das Hebel’sche Wort von der "Volksaufklärung" in unseren Tagen nicht einen etwas angestaubten Klang bekommen hätte, wäre es wohl der treffende Ausdruck gewesen für den informativen, anspruchsvollen und faszinierenden Vortrag, den Professor Walter Hofbauer am vergangenen Sonntag in der Tegernauer Krone über Zeitmessung und das Belchensystem hielt.  

Wieder einmal war der Festsaal der Krone bis auf den letzten Platz gefüllt. Und der Besuch hat sich für die Zuhörer gelohnt, denn die Referenten, die Hans Viardot in das Wirtshausmuseum holt, sind nicht nur Fachleute auf ihren Gebieten, sondern es wird auch ihre eigene Begeisterung für die Themen spürbar. Am Sonntag sprach Karl Hofbauer, der seit den 90er Jahren im ehemaligen Gasthaus Krone in Bürchau lebt, über Himmelsbeobachtung, Zeitmessung und das so genannte Belchensystem.

Nach einer Einleitung, in der die Gäste unterhaltsam in die grundlegenden Elemente der Himmelsbeobachtung und Zeitmessung eingeführt wurden, machte Karl Hofbauer klar, dass die Astronomie in der Antike nicht nur in Ägypten und Mesopotamien hoch im Kurs stand. Anhand der Himmelsscheibe von Nebra machte er deutlich, dass gewissenhaft betriebene Astronomie auch in unseren Breiten schon vor etwa 2500 Jahren verbreitet war. Dieses Wissen konnte nur über generationenlange intensive Beobachtung des Himmels gewonnen werden und stellte für die Menschen, die über dieses Wissen verfügten, einen eindeutigen Machtfaktor dar.   Der zweite Teil des Vortrags beschäftigte sich mit dem Belchensystem, einer Anordnung von Fixpunkten, Visierlinien und Verbindungen, die sich direkt auf die drei Belchen in den Vogesen, dem Schwarzwald und dem Jura beziehen. Dass dieses System in einigen Kreisen etwas überinterpretiert wird, wurde klar, als der Referent anhand von Fotos zeigen konnte, dass bestimmte Visierungen zwar auf der Karte einleuchtend sind, im Gelände aber nicht wahrgenommen werden können. So mussten einige spannende Thesen aufgegeben werden. Dass aber die drei Belchen dennoch für die Himmelsbeobachtung der Kelten von Bedeutung waren, ließ sich an einem anderen Ort zeigen. Nicht von der Höhe, sondern aus der Ebene, vom "Höllenboden" bei Knoeringue aus, konnte anhand der Sonnenaufgänge über den Belchen und der Mondaufgänge über den Blauen der keltische Festtagskalender bestimmt werden. Und gerade dies war zu kultischen Zwecken von größter Bedeutung.   Die Zuhörer waren von dem lebendigen und instruktiven Vortrag hellauf begeistert. Das Interesse am Thema war groß, so dass sich noch einige intensive Gespräche und Diskussionen unter den Gästen ergaben.

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Autor: Heiner Fabry