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20. September 2010

Druggete beim Brauchtumsfest

Über 2000 Besucher jeden Alters ließen sich vom Landleben anno dazumal faszinieren / Harte Arbeit, aber auch Lebensfreude.

  1. Steine klopfen, auch das war harte Arbeit. Foto: Silke Hartenstein

  2. Foto: Silke Hartenstein

  3. Foto: Silke Hartenstein

  4. Über 2000 Besucher zog das Brauchtumsfest in Raich an, bei dem die Vorführungen (hier das Mosten) faszinierten. Foto: Silke Hartenstein

  5. Der Wellenmacher war umringt Foto: Silke Hartenstein

  6. die Wäscherinnen aber mindestens genauso. Foto: Silke Hartenstein

RAICH. Bei traumhaft schönem Spätsommerwetter strömten Tausende von Besuchern zum Brauchtumsfest nach Raich. Über 2000 Menschen, darunter viele Kinder, kamen auf das Festgelände oberhalb des 300-Seelen-Dorfs im Kleinen Wiesental. Sie alle wollten sehen, wie es einst auf dem Lande zuging.

Das hatten sich die Bewohner des Bergdorfs Raich 1976 beim ersten Brauchtumsfest wohl kaum gedacht – doch offenbar wächst von Jahr zu Jahr die Faszination an einem Alltagsleben, das heutzutage in weite Ferne gerückt ist. Deutlich kam bei den Vorführungen herüber, welch körperliche Anstrengung die Arbeit früher darstellte. Deutlich wurde auch, wie viel Zeit es damals brauchte, um das Korn einzufahren, einen Acker mit Pferdegespann umzupflügen oder auch einfach nur Wäsche zu waschen. Beim Schwerpunktthema "Waldarbeit heute, vor 50 und vor 100 Jahren" wurde das besonders deutlich. Hier konnte man einerseits zwei Männern zusehen, die von Hand einen Baum in Scheiben zersägten – andererseits sah man moderne Maschinen im Einsatz, bei denen die Holzscheite nur so davon spritzten. Brauchten früher zwei Waldarbeiter einen ganzen Arbeitstag, um eine dicke Buche zu fällen, so erledigt heute ein einziger Mann dieselbe Arbeit in einer Viertelstunde.

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Auch der Bürgermeister des Kleinen Wiesentals, Gerd Schönbett, stellte in seiner Festrede fest, dass das Landleben gerade im Sommer einst sehr arbeitsreich war – von einem Achtstundentag konnte keine Rede sein: "Das Wort Freizeitstress gab’s da noch nicht". Dass die Lebensfreude bei all dem nicht zu kurz kam, bewiesen etwa die fröhlichen Erntearbeiter, die beim Brauchtumsfest nach getaner Arbeit auf dem Feld gemeinsam ihr "Z’Nüni" genossen und ihr Speckbrot auch gern mit den Besuchern teilten.

Wer sich die Vorführungen bäuerlichen Alltags und Handwerks an den 29 Stationen ansah, bekam einen guten Eindruck davon, wie seinerzeit nahezu alles, was man benötigte, selbst hergestellt wurde. Der bewährte Moderator Jürg Dörflinger beschrieb währenddessen, was dort genau passierte. Auch die Vorführenden selbst erzählten gern, worauf es bei ihrer Arbeit ankommt. Und man bekam einen guten Eindruck davon, wie viel Übung und Erfahrung für eine gute Arbeit erforderlich waren – so auch bei den Diechelbohrern, die meterlange Baumstämme in hölzerne Wasserleitungen verwandelten.

Doch zum Landleben gehörten auch die langen dunklen Wintermonate. Dies war die Zeit, um in geselliger Runde Arbeiten wie Besen binden, Spinnen, Strohschuhe flechten und vieles mehr zu erledigen. Auch diese stilleren Arbeiten stießen auf großes Interesse bei den Besuchern.

Und wer bei all dem Zuschauen und Zuhören hungrig und durstig wurde, für den war mit ländlichen Leckereien vom Güggeli bis zum Rosechüechli bestens gesorgt.

Weitere Bilder gibt es im Internet unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: Silke Hartenstein