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19. Oktober 2015

Für menschlichen Abschied

CDU-Bundestagsabgeordneter Armin Schuster sprach über "Sterbehilfe aus gesetzlicher Sicht".

  1. Hans Viardot dankt dem Armin Schuster (links) in der Tegernauer „Krone“ für seinen engagierten Sterbehilfe-Vortrag. Foto: Hans-Jürgen Hege

  2. Ums Thema Sterbehilfe ging es bei einem Vortrag in Tegernau. Foto: DPA

KLEINES WIESENTAL-TEGERNAU. Mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster konnte Dr. Hans Viardot am Freitag eine von ihm hochgeschätzte Persönlichkeit im Wirtshaus-Museum "Krone" begrüßen.Viardot war als Gründer des "Hospiz Kleines Wiesental" und als Gastgeber eines weiteren Vortrags aus der Reihe "Sterbebegleitung" zugegen. Schuster war aus Berlin angereist, um über die "Sterbehilfe aus gesetzlicher Sicht" zu referieren.

Schuster referierte engagiert, gefühlvoll und mit viel Sachverstand vor den wenigen Gästen, dass Hans Viardot peinlich berührt zugab: "In der bewegten Geschichte unseres Wirtshausmuseums hat es das noch nie gegeben.""Schade", fand der ehemalige Landarzt das geringe Interesse, den das Thema Sterbehilfe seit mehr als 25 Jahren nicht nur begleitet, sondern regelrecht auf Trab hält.

Im Lauf der Zeit ist die Hospizbewegung trotz vielfältiger Widerstände aus allen Ecken gesellschaftsfähig geworden. Und nun ist wohl auch die Politik auf den Zug aufgesprungen. Konkret geplant sei, so Schuster, die Hospiz- und Palliativversorgung flächendeckend zu fördern und zu unterstützen. Anfang November dieses Jahres stehe die Verabschiedung eines Gesetzes zur Sterbehilfe auf der Tagesordnung des Bundestages mit dem Ziel, für alle Beteiligten eine verlässliche Rechtssicherheit zu schaffen.

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Das derzeit herrschende "kunterbunte Durcheinander vieler unterschiedlicher Meinungen" soll beendet werden. Einfach sei der Weg zu den vier Gesetzentwürfen, die nun zur Entscheidung anstehen, nicht gewesen. In fünfstündiger Orientierungsdebatte mit nervenaufreibenden Diskussionen, in deren Mittelpunkt viele Bilder erschütternder Schicksale kranker Menschen standen, habe er seine ursprünglich ablehnende Haltung gegen jede Art von assistiertem Suizid revidiert.

Ausgeschlossen bleibt jede Art geschäftsmäßiger Sterbehilfe

Schuster sagte, er stehe nun voll hinter dem fraktionsübergreifenden Entwurf der Gruppe um Michael Brand, der den Angehörigen und dem Sterbenden nahe stehenden Personen Möglichkeiten an die Hand geben will, unter ganz bestimmten Voraussetzungen als letztes Mittel Beihilfe zum Suizid leisten zu können. Es verstehe sich von selbst, dass in diesem Gesetzentwurf jede Art von geschäftsmäßiger Sterbehilfe ausgeschlossen bleiben werde, so der Abgeordnete. Schuster verteidigte seine Haltung als "Entscheidung für das Leben, die Raum lässt, im schlimmsten Fall eine menschliche Lösung für einen würdigen Tod zu finden."

Der zweite Entwurf sehe eine ausdrückliche Erlaubnis für Ärzte vor, Beihilfe zu leisten als gleichwertige Option zur Palliativkultur. In Variante drei wird jegliche Teilnahme an Selbsttötung ohne Ausnahme bestraft, ganz im Gegensatz zum vierten Entwurf, der allen aktiv oder passiv an Selbsttötung Beteiligten Straffreiheit garantiert, wenn die Beteiligung nicht gewerbsmäßig betrieben wird. Wohin der Trend geht, mochte Armin Schuster, dem das Thema nicht nur als Abgeordneter, sondern auch wegen der schweren Krankheit seiner Mutter auch als Betroffener am Herzen liege, noch nicht zu sagen. "Ich bin unglaublich gespannt, wie die Abstimmung ausgeht", beteuerte er.

Die vierte Variante würde Deutschland "an die Schweiz ran rücken", vermutet Schuster. Er weiß, dass derzeit vor allem Intellektuelle die Möglichkeiten nutzen, im Nachbarland ihre Vorstellungen von freier Entscheidung über ihr Leben oder ihren Tod realisieren zu können. Ähnlich liberale Gesetze in den Niederlanden und in Belgien sei es zuzuschreiben, dass "die Entwicklung hin zur straffreien Tötung auf Verlangen" nicht mehr aufzuhalten ist.

An der Hand des Arztes in den Tod gehen

Das macht natürlich auch Hans Viardot Sorgen, der darauf hinwies, dass er stolz und glücklich sei, solche Hilfen während seiner ärztlichen Tätigkeit nie geleistet zu haben. Auch heute noch plädiere er dafür, "alles so zu belassen, wie es ist", will heißen: Selbsttötung und Hilfen dazu sind und bleiben straffrei, weil es – so Armin Schuster - nach dem Grundgesetz "keine Pflicht gibt, zu leben."

Die Begleitung Sterbender bedeute aus Sicht des Hospizes "Hilfe beim Sterben" und nicht "Hilfe zum Sterben", machte Hans Viardot seine Haltung deutlich. "Man soll nicht durch den Arzt sterben, sondern an der Hand des Arztes in den Tod begleitet werden".

Autor: Hans-Jürgen Hege