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12. Oktober 2016 17:21 Uhr

Umweltfreundlich heizen im Kleinen Wiesental

Wärme aus Holz auf dem Vormarsch

In Tegernau werden die letzten Nahwärme-Heißwasserrohre verlegt. Ob es im Nachbardorf Wies ebenfalls zu einem solchen Projekt kommt, liegt an den Bürgern. Auch der Investor steht noch nicht fest.

  1. Der Tegernauer Kernort erhält derzeit Heißwasseranschlüsse sowie Rohre für Glasfaserkabel. Links das frühere Gebäude der Gemeindeverwaltung, in der heute eine Arztpraxis residiert. Foto: Sattelberger

  2. Vor dem Tegernauer Rathaus ist der Schacht für den Hackschnitzel-Lagerraum der Heizzentrale fertig. Foto: Sattelberger

  3. Die Heißwasserleitungen zu den Häusern sind in dicke, wärme-isolierende Kunststoffrohre gehüllt. Foto: Sattelberger

Bagger graben sich seit Wochen in den Untergrund von Tegernau, um Platz zu schaffen für Heißwasserrohre. Sie sollen noch diesen Winter 17 Häuser mit Wärme versorgen. Die Kunden können sich auf eine "Rundum sorglos"-Energieversorgung freuen, die die alte Ölheizung überflüssig macht. Auch im Nachbarort Wies gibt es ein großes Interesse an einem Holz-Wärmenetz. Ob es sich genauso schnell realisieren lässt wie das Vorbild in Tegernau, ist aber fraglich.

Die Kostenfrage: Bürgermeister Gerd Schönbett skizzierte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung die Herausforderung eines solchen Projektes in Wies. Er sagte, dass die Köhlgarten GmbH als möglicher Betreiber nicht das nötige Eigenkapital besitze, um in Wies ein Wärmenetz zu bauen. Dessen Kosten bezifferte er mit zirka 1,5 Millionen Euro. Bei einer entsprechenden Kapitalerhöhung der Gesellschafter kämen auf die Gemeinde Kleines Wiesental 275 000 Euro Finanzspritze zu. Fritz Maier, Bürchaus Ortsvorsteher, machte in der Sitzung schnell klar, was das bedeutet: Dieses Geld fehlt für andere Investitionen, kritisierte er.

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Ein weiteres Problem könnte sein, dass sich bei einer Kapitalerhöhung die Eigentumsverhältnisse an der Köhlgarten GmbH verschieben würden und das Kleine Wiesental unter 50 Prozent sinkt. Weitere Eigentümer sind Steinen, Malsburg-Marzell und die Elektrizitätswerke Schönau (EWS). "Das geht nicht", sagte Bürgermeister Schönbett.

Die Gesellschafter: Bei einem Treffen im Juli dieses Jahres habe Bürgermeister Schweinlin (Malsburg-Marzell) signalisiert, dass er sich an keiner Umlageerhöhung beteiligen möchte. Die Begründung: Die Bürger in Malsburg-Marzell haben nichts von der Investition in Wies. Im Gegenteil, ein Wärmenetzbau belaste erfahrungsgemäß drei bis vier Jahre lang den Gewinn des Bezirksverbands, und danach sei kaum Profit zu erwarten.

Auch die Gemeinde Steinen müsste sich bei diesem Modell finanziell beteiligen; ob es dazu eine Bereitschaft gibt, ist nicht bekannt.

Die EWS: Und wenn die Firma EWS direkt das Wärmenetz baut und betreibt statt die Köhlgarten GmbH? Das wollte EWS-Projektmanager Martin Halm bei einer Podiumsveranstaltung in Wies im Juni diesen Jahres nicht ausschließen. Ob EWS Netze aktuell noch zur Verfügung steht, um in Wies Nahwärme anzubieten, konnte die BZ-Redaktion bislang nicht in Erfahrung bringen; Bürgermeister Schönbett hatte dazu im Gemeinderat Zweifel angemeldet.

Die Stimmung in Wies: Ortsvorsteher und Gemeinderat Rolf Vollmer sagte im Gemeinderat: "Zuerst haben wir den Leuten in Wies den Mund wässrig gemacht, da können wir jetzt fast keinen Rückzieger mehr machen." Die Resonanz auf die vorgestellten Pläne sei in Wies gewaltig gewesen. Derzeit erhebt der Energieverein bei rund 50 Bürgern in Wies Informationen zu einem Nahwärmeanschluss. Von ihren Antworten wird es abhängen, ob das Projekt wirtschaftlich überhaupt Sinn macht. Nachteilhaft dürfte sich auswirken, dass im Ortskern nur drei Gebäude im Eigentum der Gemeinde sind (Kindergarten, Dorfgemeinschaftshaus, Feuerwehr); in Tegernau sind dies sechs Gebäude, die Nahwärme-Kunden sind.

Autor: Dirk Sattelberger