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03. März 2009

Klezmer voller Sehnsucht

Finissage im Georg-Scholz-Haus mit "Kapelje" und einer Lesung aus der Schreibnacht.

WALDKIRCH. Mit einer Lesung und einem Konzert ging am Sonntag die Ausstellung von Brigitte Rost und Werner Windisch zu Ende.

Ist es das Sich-Wiegen im Takt der Musik (die ausgezeichnete Sängerin Beate Körber), die stoische, manchmal mit einem Lächeln unterstrichene Ruhe von Gitarrist Michael Ebel (der auch singt)? Oder die klagend-virtuosen Soli von Klarinettist Clemens Seitz, der sich Dialoge mit der (neu hinzu gekommenen, zuweilen unsicher wirkenden) Geigerin Dorothea Glander, die auch einmal zur Viola greift, liefert? Auch die Klangfundamente von Akkordeonistin Annette Wiedemann (im Georg-Scholz-Haus steht kein Klavier zur Verfügung) und Bassist Daniel Siepmann-Schinker gehören zur im besten Sinn warmherzigen Ausstrahlung der Gruppe "Kapelje Freiburg", die am Sonntag das Ende der aktuellen Ausstellung mit einem Auftritt markierte.

Die Klezmer-Musik der sechs Freiburger verzichtet auf jeden Schnickschnack. Es gibt keine Verstärker, kein Show-Gehabe, nichts. Das Sextett macht einfach Musik, nimmt seine Zuhörer schnell gefangen. Und es gibt immer wieder Höhepunkte in dem viel zu kurzen  Programm: Schon das "Ik steh unter  a Bokserboim" am Anfang ist voll mit nicht überquellender oder gar kitschiger Sehnsucht. Schon nach dem dritten Song "Spilsche mir  a lidele in jiddisch" gibt es Jubel im Publikum, was im Georg-Scholz-Haus nicht so häufig vorkommt. Die "Kapelje"-Arrangements sind intelligent und anspruchsvoll, setzen sich hier und dort sogar von typischen Klezmer-Klängen ab. Eine anderer Höhepunkt das fast swingende "Ik hob dich tsu fil lib", immer wieder hörenswert auch die "Kapelje-Freiburg"-Version des jddischen Liedes, das zu einem Welthit wurde: "Baj mir bistu sheyn". Das Publikum verlangte eine Zugabe – gelegentlich wäre ein ausgewachsenes Konzert schön, auch der knappe Auftritt ist ein Genuss.

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In etwas kleinerem Kreis war dem (ausgezeichnet besuchten) Konzert eine Lesung mit Texten aus der Schreibnacht zur Ausstellung vorausgegangen. Roland Burkhart berichtete, dass diese seit sieben Jahren während der Ausstellungen stattfindet und sich "gleichbleibender Beliebtheit" erfreut. Die Beiträge von Liesel Haberstroh, Maria Becker (die auch abwesende Autoren vorlesend vertrat), Anne Ladwig, Ortulf Reuter, Falko Reusche, Roland Burkhart, Ilse Reichinger und Hildegard Kissel setzten sich auf teils ironische, teils eher sachliche Weise, zuweilen auch in Beiträgen mit äußerst beachtlichem, literarischen Niveau mit den Werken von Brigitte Rost und Werner Windisch auseinander. Es ist eine sinnvolle Geste, dass sie durch die Lesung einer größeren Öffentlichkeit zugänglicher werden können – ein bisschen Werbung fehlt vielleicht noch, damit der Zuspruch zunimmt. Die nächste Ausstellung im Georg-Scholz-Haus wird am 29. März eröffnet. http://georg-scholz-haus.de/aktuelles.html 

 

 

 

Autor: Frank Berno Timm