Höhlendrama

Knapper Sauerstoff, drohender Regen: Die Zeit läuft den Rettern davon

Willi Germund

Von Willi Germund

Fr, 06. Juli 2018 um 19:07 Uhr

Panorama

Rückschläge im Höhlendrama von Thailand: Ein Retter stirbt, es droht zu regnen und der Sauerstoffgehalt in der Grotte sinkt. Inzwischen hat die Rettung auch eine politische Dimension bekommen.

Das Drama um zwölf Nachwuchsfußballer und ihren Trainer in den Tham Luang Höhlen hat das erste Todesopfer gefordert. Der 38-jährige Saman Kunan, Chef der Sicherheitsleute an Bangkoks Internationalem Flughafen Suvarnabhumi, starb an Sauerstoffmangel, nachdem er mit einem Gefährten stundenlang volle Sauerstoffflaschen an die Retter in den Katakomben verteilt hatte.

Nun droht der Regen

Kaum hatte Gouverneur Narongsak Osottanakorn am Freitagmorgen die tägliche Pressekonferenz beendet, öffnete der Himmel seine Schleusen – glücklicherweise nur für fünf Minuten. Aber die Sorge vor starken Regenfällen bleibt. Sie könnten die Bemühungen zunichte machen, den Wasserspiegel in dem teilweise überschwemmten unterirdischen Labyrinth 800 bis 1000 Meter unter der Bergoberfläche zu senken. Noch am Donnerstag hatte Gouverneur Narongsak Osottanakorn verkündet, die Retter würden alles daran setzen, Wasser aus den Höhlen in die Umgebung zu pumpen. Am Freitagmorgen dann lauteten die Priorität: Luft in die Gewölbe bekommen.

Der Sauerstoff in der Höhle wird knapp

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, sagte Arpakorn Yookongkaew, der Kommandeur der Navy Seals: "Wir dachten zunächst, die Kinder könnten dort länger aushalten. Aber viele Dinge haben sich geändert. Wir haben nur begrenzte Zeit übrig." So sank der Sauerstoffgehalt der Luft in dem kleinen Gewölbe rund vier Kilometer vom Höhleneingang entfernt, in dem die Jungen am Montagabend von einem britischen Taucher entdeckt worden waren, von 21 auf 15 Prozent. "Wegen der vielen Aktivitäten wurde die Luft verbraucht", sagte der Gouverneur.

Zehn Jungen, so kalkulierten entgegen aller Skepsis einige zuversichtliche Retter, könnten von Tauchern herausgelotst werden. Zwei Jungen und der Trainer gelten als zu schwach. Der 25-jährige Coach Ekapol Chanthawong hatte die wenigen Essensvorräte, die die Gruppe mitgenommen hatte, an die Kinder verteilt.

Mühe macht den Rettern neben der nach wie vor starken Strömung ein Engpass. Erwachsene Taucher müssen ihre Sauerstoffflaschen ablegen und durch das Gestein schieben, bevor sie selbst folgen können. Gegenwärtig braucht ein Taucher etwa fünf bis sechs Stunden, um bis zu der Grotte vorzudringen. Die gleiche Zeit wird für den Rückweg benötigt. Seit Dienstag ist immer ein Soldat bei der Gruppe. Am Freitag versuchten die Retter, ein Fiberoptikkabel bis zum Zufluchtsort der Kinder zu verlegen. Das Kabel würde den Eingeschlossenen ermöglichen, mit ihren Eltern zu kommunizieren – und auf beiden Seiten die Moral heben.

Das Drama hat auch eine politische Komponente

Denn die anfängliche Erleichterung und der Jubel, der nach der Entdeckung der vermissten Jungen aufgekommen war, weicht angesichts des Todes des Tauchers und des drohenden Regens wieder zunehmender Anspannung. Gouverneur Osottanakorn versuchte, alle Zweifel an den Rettungsbemühungen zu zerstreuen. "Die Kinder sind für uns wie ein rohes Ei im Stein", erklärte er unter Bezug auf ein thailändisches Sprichwort. Ein Grund für die Entschlossenheit: Das Drama von Tham Luang wächst sich für die herrschenden Militärs inzwischen zu einer politisch brisanten Frage aus. Diktator Prayuth Chan-ocha will sich bei den Wahlen in der ersten Jahreshälfte 2019 als Premierminister bestätigen lassen. Im Norden Thailands wird er aber als Instrument der Elite in Bangkok betrachtet. Sollte er die Rettungsversuche abblasen oder sollten sie scheitern, würde es nicht nur im Norden Thailands, sondern auch im Rest des Königreichs angesichts seiner ohnehin sinkenden Beliebtheit düster um seine Wahlaussichten stehen.

Unterstützungsbotschaften kommen derweil auch aus der Welt des Fußballs: Der Präsident des Weltverbandes Fifa, Gianni Infantino, erklärte am Freitag, wenn die zwölf Jungen in den kommenden Tagen gerettet würden, würde er sie gern zum Finale der Fußball-WM am 15. Juli in Moskau einladen.