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12. Dezember 2011 21:04 Uhr

Bildungspolitik

Koalition einigt sich auf 44 Gymnasien mit neunjährigen Zügen

Im Südwesten sollen künftig verteilt auf zwei Jahre 44 Gymnasien wieder neunjährige Züge einführen können. Das ist das Ergebnis eines Spitzentreffens von Grün-Rot am Montagabend im Staatsministerium.

  1. Es stehen wieder Modellversuche an den Gymnasien an. Foto: dapd

Konkret soll es ab dem Schuljahr 2012/13 an 22 Gymnasien Modellversuche mit G 9-Zügen geben, im darauffolgenden Schuljahr weitere 22. "Vielen Eltern ist es ein großes Anliegen, dass G 9-Züge ermöglicht werden. Diesem Anliegen werden wir jetzt gerecht", unterstrichen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD).

Darüber hinaus plant die Koalition aber auch das bisherige G 8 durch eine Weiterentwicklung des Bildungsplans und durch die Erhöhung der Zahl der Poolstunden zu verbessern. Neben den jetzt zu realisierenden G 9-Schulversuchen wird es mit der Einführung der Gemeinschaftsschule weitere Angebote für das 9-jährige Abitur geben.

Präzises Konzept soll erarbeitet werden

Die neuen Schulversuche basierten auf dem Bildungsplan des G 8, betonten Kretschmann und Warminski-Leitheußer. Das Kultusministerium sei beauftragt worden, dazu ein präzises Konzept zu erarbeiten. Den Antrag auf Teilnahme am Schulversuch stelle der Schulträger. Die Dehnung solle in unterschiedlichen Klassenstufen erprobt werden. Die letzte Entscheidung über die Modellversuche treffe das Kabinett.

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Die Grünen und die SPD waren mit weit auseinanderliegenden Vorstellungen in das Gespräch gegangen: Die Grünen hatten zuletzt für 19 teilnehmende Schulen an dem Modellversuch plädiert. Die SPD wollte, dass 120 Schulen mitmachen können. Das entspräche einem Drittel aller Gymnasien und damit der Höchstzahl für eine Teilnahme an einem Modellversuch. Seit dem Schuljahr 2004/05 gibt es im Südwesten nur noch achtjährige Gymnasien.

Der Philologenverband hatte vor Beginn des Spitzengesprächs vor einer nur halbherzigen Wiedereinführung von neunjährigen Zügen am Gymnasium gewarnt. "Es sieht nach einer Beerdigung erster Klasse aus", sagte Landeschef Bernd Saur. Hinter den Bestrebungen, nur wenige Modellschulen zu genehmigen, vermutete Saur den Versuch von Grün-Rot, keine Konkurrenz zur geplanten Gemeinschaftsschule zu schaffen.

"G9 wird der Gemeinschaftsschule das gymnasiale Potenzial wegnehmen", sagte Saur. Generell seien Modellversuche mit dem wieder verlängerten Weg zur Hochschulreife widersinnig. "Man muss doch nicht erproben, was sich jahrhundertelang bewährt hat." Jeder Schüler müsse die Möglichkeit haben, einen G9-Zug zu erreichen.

Nach Saurs Einschätzung kommt ein Drittel der Schüler im achtjährigen Gymnasium gut mit, ein weiteres Drittel schafft den beschleunigten Bildungsgang mit viel Mühe und Arbeit, der den Kindern insbesondere in der Mittelstufe viel abverlange. "Für den Rest wäre ein neunjähriges Gymnasium passend." Es sei ungerecht, wenn nur wenige Schüler im Land neunjährige Züge wählen könnten. Deshalb dürfe es keine Begrenzung bei der Genehmigung von G9 geben.

Der Landesschülerbeirat sprach sich dafür aus, dass alle Schulen, die das wünschen, wieder zu neunjährigen Zügen zurückkehren können. Dabei bieten sich nach den Vorstellungen des Gremiums zwei Varianten an: Das zusätzliche Jahr wird in die Mittelstufe eingefügt oder nach der zehnten Klasse eingeschoben. Der Philologenverband will dagegen die gesamte Schulzeit zwischen fünfter und zehnter Klasse um ein Jahr dehnen.

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Autor: dpa