Köstliche Chaos-Komödie

thomas Steimer

Von thomas Steimer

Mi, 12. Januar 2011

Elzach

Die "Alemannische Bühne" beim Gastauftritt in Elzach mit dem Stück "Die Letschte bisse de Hund".

ELZACH. Mundarttheater auf höchstem darstellerischem Niveau bot die "Alemannische Bühne" Woche bei ihrem Gastauftritt in Elzach. Mit der Komödie "Die Letschte bisse de Hund" unter der Leitung von Martin Mayer begeisterte sie das Publikum im Haus des Gastes.

Die Zeit um den Jahreswechsel steht im Elztal im Zeichen des Laientheaters. In Elzach fuhr in den vergangenen Jahren das einheimische Ensemble "Hond & Gosche" ein ums andere Mal große Erfolge ein. Dieses Jahr hatte die Truppe um Dietmar Holzer eine Pause eingelegt, da sich der Regisseur derzeit ganz seinem zweiten großen Hobby, dem Triathlon-Sport widmet. Damit das verwöhnte Elzacher Publikum nicht auf sein Theatervergnügen verzichten muss, engagierten die Sportfreunde Elzach-Yach die "Alemannische Bühne" aus Freiburg.

Mit der Verwechslungskomödie "Die Letschte bisse de Hund" von Michael Cooney (im Orginal "Cash on Delivery", wörtlich: "Zahlbar bei Lieferung") sorgte sie für Lachsalven und Begeisterung.

Zum Inhalt: Seit zwei Jahren ist Erwin Hund (Bernd Geiger) arbeitslos. Seine Frau Marga (Eva Kaufmann) weiß nichts davon. Hinter dem Rücken seiner Frau hat Erwin eine lukrative zweite Karriere als Sozialbetrüger begonnen. Zusätzlich zu seinem Untermieter Norbert Burger (Hans-Peter Zeller) erfindet er unzählige weitere hilfsbedürftige Hausbewohner und kassiert so Monat für Monat stattliche Summen vom Staat. Bis eines Tages Herr Pfefferle (Wolfgang Peltzer), seines Zeichens Außenprüfer vom Sozialamt, vor der Tür steht und ein paar Unterschriften wünscht. Nun wird es eng für Erwin: Sowohl der gutmütige Norbert als auch sein Cousin Georg (Joachim Mast) müssen ihm helfen, den naiven Pfefferle hinters Licht zu führen. Doch verschiedene Umstände sorgen für eine ganze Reihe von Verwechslungen und unzählige komische Szenen. Sozialarbeiterin Sandra Schneckenburger (Nicola Ganz) und die Bestatterin, Frau Fröhlich (Uschi Billion), blicken am Ende so wenig durch wie Sexualpsycholgoe Dr. Müller (Helmut Kratz). Je enger es für Erwin wird, desto absurdere Geschichten erfindet er, und immer mehr Verwechslungen sorgen für immer mehr Chaos. Erst als Frau Köcher (Claudia Sütterlin), die strenge und gefürchtete Vorgesetzte Pfefferles, auftaucht, kommt Licht ins Dunkel.

In der Mundartfassung des englischen Stückes durch den Elzacher Armin Holzer (er war selbst einige Jahre Regisseur an der Alemannischen Bühne) gehen der trockene britische Humor und das alemannische Gemüt eine großartige Verbindung ein. Vor allem jedoch sorgten die grandiosen darstellerischen Leistungen des Ensembles für einen Theaterabend der Extraklasse.

Die schreiend komischen Verwechslungen beleuchten freilich auch ein ernstes Thema: Sozialbetrug sorgt für Schäden in Milliardenhöhe und schadet sowohl den Beitragszahlern als auch den wirklich Bedürftigen. Dennoch ist dieses Thema im Gegensatz zu Sozialabbau und Kürzungen so gut wie nie in den Schlagzeilen. Daher sollten bei allem Gelächter Sätze wie "Sie henn mir immer wieder Geld abote, ich hab’s nit emal verlangt", auch zum Nachdenken anregen.

Die Theaterfreunde des oberen Elztals kamen jedenfalls an diesem Abend voll auf ihre Kosten und hoffen, in einem Jahr wieder "Hond & Gosche" auf der Bühne sehen zu können. Denn dass die großartige Leistung der Alemannischen Bühne für die Elzacher Truppe um Dietmar Holzer Ansporn sein dürfte, dessen darf man sich sicher sein.