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30. Juli 2012

Kohlschreiber irritiert mit Olympia-Absage

Fragwürdige Vorbereitung des Tennisprofis auf London.

LONDON (dpa/sid). Die Olympia-Absage von Philipp Kohlschreiber hat dem unsäglichen Nominierungs-Wirrwarr im deutschen Männer-Tennis vor den London-Spielen die Krone aufgesetzt. Kohlschreiber hatte am Samstag nach dem Finale des ATP-Turniers in Kitzbühel verletzt für seine Olympia-Premiere am nächsten Tag abgesagt – angesichts der stressigen Vorbereitung kaum noch eine Überraschung.
Die deutsche Nummer eins wollte von falscher Planung indes nichts wissen. "Ich glaube, dass das ein Riesenpech ist, wenn so etwas passiert", rechtfertigte sich der Augsburger. Doch verwunderlich ist, dass er eine Woche vor dem olympischen Rasenwettbewerb noch beim Sandplatzturnier in Kitzbühel aufschlug – und sich prompt ins Endspiel kämpfte, nach dem er wie der niederländische Turniersieger Robin Haase nach London hätte hetzen müssen.

Tommy Haas wäre zu gern in Wimbledon dabei gewesen, doch der wiedererstarkte Altmeister – 2000 mit Silber dekoriert – war vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nicht für eine mögliche Wildcard beim Internationalen Tennis-Verband (ITF) gemeldet worden. Für Florian Mayer passten die Olympischen Spiele nicht in seinen Turnierplan.

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"Ich hätte hier auch in der ersten Runde verlieren können, und da wäre gar nichts passiert", sagte Kohlschreiber zerknirscht mit tief ins Gesicht gezogener Baseballkappe in einem Video, dass auf der offiziellen Fan-Homepage via Facebook verbreitet wurde. Man könne einfach nie planen, erklärte er. Der Olympia-Start jedoch stand fest, und ohne die Teilnahme in Kitzbühel wären Probleme mit einem verhärteten Fuß und den Adduktoren wohl vermeidbar gewesen.

Der stellvertretende Chef de Mission Bernhard Schwank und Tennis-Teamleiter Patrik Kühnen bedauerten die Absage des Wimbledon-Viertelfinalisten. Kühnen hatte zuerst einen Anruf von Kohlschreibers Management, dann vom Augsburger selbst erhalten: "Ihm war anzumerken, dass er enttäuscht war. Fragwürdig ist aus meiner Sicht gar nichts, ich habe auch das Attest bekommen." Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker ging mit Kohlschreiber und Mayer dagegen hart ins Gericht. "Wenn Olympia zu meiner Zeit in Wimbledon stattgefunden hätte, dann hätte ich ein dreiwöchiges Trainingslager gemacht. Ich wäre sicherlich nicht nach Kitzbühel gefahren", sagte Becker, und fügte an: " Die Absagen sind nicht förderlich, um das deutsche Tennis zu promoten. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass die deutschen Männer nicht so beliebt wie die Frauen sind."

Autor: sid


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