Kollektive Bewegungsübung

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 25. Juni 2018

Tennis

NACHSPIEL: Die TSG TC Lahr/TC GW Emmendingen gewinnt ihr zweites Spiel in der Oberliga.

TENNIS Oberliga: TSG TC Lahr/TC GW Emmendingen – SSC Karlsruhe 8:1. Der zweite Sieg der TSG ist in trockenen Tüchern. Überraschend deutlich. Der Klassenerhalt indes noch nicht. "Ein kleiner Schritt ist gemacht", sagte Trainer Hernan Valenzuela, "aber bei mindestens zwei Absteigern brauchen wir noch mehr Punkte."

Die Köpfe wenden sich im Takt des Plopp. Auf der Anlage des TC Lahr ist dies am Sonntag eine kollektive Bewegungsübung – ausgeführt von so vielen Menschen, wie sie selten am Rande der Tennisplätze in dieser Region zu finden sind. Der Appetit wurde von der Klasse jener jungen Männer angeregt, die sich auf dem roten Sand gegenüberstanden: der Oberliga.

Die junge Mannschaft der TSG wollte einfach mal schauen, wie es in dieser Spielklasse ist, verrät der 18 Jahre alte Gymnasiast Luca-Leon Mack. Der Tag sollte aber weit mehr bringen, als nur Tennis live. Er sollte auch über geänderte Rahmenbedingungen im Tennis zwischen Lahr und Emmendingen informieren. Von einem Plakat strahlen 15 Kindergesichter die Besucher an. Sie werden unterstützt vom vor einem Jahr gegründeten Förderverein. Ein Novum am Unteren Dammen. Zwei jener geförderten Kids griffen aktuell für den Oberligisten ans Racket. Leon Huck und Luca-Leon Mack. Letzterer ist etwas verwundert über die für ihn nicht wahrnehmbare Förderung. "Wahrscheinlich hat das mit dem Mannschaftstraining zu tun, das wir zweimal in der Woche haben." Falsch. Thomas Gehle, der Vorsitzende des Förderkreises, erklärt bei Material, Fahrtkosten und individuellen Trainerstunden greife die Unterstützung der Talente.

"Wir sind eine

ausgeglichene Mannschaft."

Luca Mack
Das Förderkonzept korrespondiert mit den sportlichen Zielen. Mit eigenen Leuten Oberliga spielen und die Liga zu halten. Welche Signalwirkung die Spielklasse haben kann, belegte der Sonntag, als nach perfekter Vorlage des Teams sämtliche Akteure dem Spitzeneinzel zusahen. 4:1 führte die TSG da, nach Siegen von Mack, Bolot, Sexauer und Huck, als es ein klein wenig Anschauungsunterricht in Sachen Spitzentennis gab.

Die Profis, der Tscheche Matei Kracik und der erstmals für Karlsruhe eingesetzte Slowake Michal Marko, maßen sich in einem hochklassigen Match. Obwohl niemand Zugabe gerufen hatte – die Etikette verbietet das – legten sich die beiden im Match-Tiebreak richtig ins Zeug. 15:13 siegte der seit der Gründung der TSG vor drei Jahren für Lahr aufschlagende Tscheche. "Ein wahnsinniges Niveau", attestierte Trainer Hernan Valenzuela.

Dies waren jene Momente, die einer breiten Öffentlichkeit die Augen öffneten über das Zusammenspiel zwischen Nachwuchsarbeit und Vorbild gebendem Spitzentennis. Dieser spektakuläre Einzelerfolg machte eben nicht den Sieg des Kollektivs aus. "Wir sind eine ausgeglichene Mannschaft", sagte Luca Mack, dem der Sonntag genau das brachte, was er sich vom Tennisspiel verspricht: "Spaß." Dafür hatte er sich einst gegen die Kickerei entschieden. Die Phantasie, das Hobby zum Beruf zu machen, hat den jungen Mann, der im kommenden Jahr Abitur machen wird, nie beseelt.

Für den Initiator der Tennis Gemeinschaft, Hernan Valenzuela, entspricht er genau dem Prototypen für seine Idee. "Wir haben hier Jugendliche, bei denen wir uns vorstellen können, dass sie noch ein paar Jahre hier spielen, wenn wir ihnen sportlich etwas anbieten können – eben die Oberliga."

Kompakt: Kracik – Marko 6:7, 6:4, 15:13; Mack – Juras 6:3, 6:3; Bolot – Welz 6:1, 6:1; Valenzuela – Randel 4:6, 2:6; Sexauer – Müller 6:0, 6:3; Huck – Pignol 6:1, 6:1; Kracik/Bolot – Juras /Müller 6:3, 6:4; Mack/Valenzuela – Marko/Schmelzer 6:1, 6:4; Sexauer/Huck – Welz/Randel 6:4:6, 10:7.