"Abenteurer erleben"

anfe

Von anfe

Fr, 13. Oktober 2017

Kollektive

BZ-INTERVIEW:Zum Saisonauftakt mit Mundologia-Organisator Tobias Hauser.

Im Oldtimer um den Globus zuckeln, auf dem Pferderücken die Wildnis durchqueren oder zu Fuß auf fast vergessenen Pfaden neue Welten entdecken: Mit der Reihe vom 29. Oktober bis 18. März startet die Mundologia in die neue Saison. Anita Fertl hat mit Tobias Hauser über Programmhighlights und über die Auswirkungen der Politik auf die Themenwahl gesprochen.

BZ: Herr Hauser, welcher Vortrag ist Ihr Reihen-Favorit?
Tobias Hauser: Andreas Pröve mit "Burma". Pröve sitzt im Rollstuhl und schreckt dennoch nicht vor den größten Strapazen zurück. Er hat viel erlebt und zeigt beeindruckende Bilder. Außerdem freue ich mich auf Rüdiger Nehbergs großartige "Lagerfeuergeschichten", den Vortrag über Alaska von Bernd Römmelt und meine eigene Kuba-Reportage, bei der wir im Anschluss eine große Fiesta Cubana mit Musik, Tanz und Cocktails veranstalten.

BZ: Beispiel Nordkorea oder Türkei: Wie wirken sich die aktuellen politischen Entwicklungen auf ihre Arbeit als Organisator aus?
Hauser: Sie beeinflussen die Wahl der Themen. Wenn jemand einen Vortrag über die Sehenswürdigkeiten in der Türkei zeigen wollen würde, würden wir aktuell ablehnen, da das Interesse an Reisen in die Türkei deutlich zurückgegangen ist. Eine Reportage hingegen, die sich mit gesellschaftlichen und politischen Themen in der Türkei beschäftigt, wäre etwas anderes. Solchen Arbeiten bieten wir auf dem Festival immer wieder eine Plattform. Eine gute Nordkorea-Reportage würden wir jederzeit ins Programm aufnehmen. Das Land ist so anders, extrem, schrecklich und faszinierend zugleich. Was für Geschichten und Bilder können unter den strengen Augen der staatlichen Aufpasser überhaupt entstehen? Das wäre wirklich spannend.

BZ: Und wie wirkt sich die politische Lage auf die Arbeitsweise der Referenten aus?
Hauser: Als Referent sucht man sich Themen und Länder, die einen selbst interessieren. Gleichzeitig muss man auch überlegen, ob es dafür ein Publikum gibt, sonst bleibt man auf den hohen Produktions- und Reisekosten sitzen. Länder, die aufgrund politischer Entwicklungen als Reiseland unattraktiv oder gefährlich geworden sind, werden deshalb meist auch von Referenten gemieden.

BZ: Mit Lörrach, Schluchsee und Bad Säckingen sind neue Spielorte hinzugekommen. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Spielorte aus?
Hauser: Uns ist wichtig, dass wir die Live-Reportagen in schönen Sälen zeigen können und das ist im Burghof in Lörrach, im Gloria- Theater in Bad Säckingen und im Kurhaus in Schluchsee der Fall. Sie bieten unseren Besuchern ein angenehmes Ambiente, beste Sicht auf die Leinwand und die Möglichkeit, Wunschplätze zu buchen.

BZ: Die Reihe zählte in der vergangenen Saison 20 000 Zuschauer: Ist noch Wachstum möglich?
Hauser: In Freiburg, Denzlingen und Müllheim haben wir eine Grenze erreicht und möchten die Anzahl der Vorträge nicht weiter ausbauen. Was die neuen Spielorte in Rastatt, Offenburg, Lörrach, Bad Säckingen und Schluchsee betrifft, müssen wir sehen, wie groß das Interesse ist. Darüber machen wir uns nach der Saison Gedanken. Ob wir weitere Städte hinzunehmen, ist ebenfalls offen. Das hängt auch von unseren zeitlichen und personellen Möglichkeiten ab.

BZ: Entsteht auf Dauer keine Konkurrenzsituation zum Festival?
Hauser: Nein, denn das Festival im Konzerthaus ist mit 18 Vorträgen an drei Tagen, mit großer Messe, den hochkarätigen Fotoausstellungen und Seminaren ein besonderes Event, das auch überregional viele Besucher anzieht. Zudem zeigen wir auf dem Festival nur Vorträge, die noch nie in der Mundologia-Reihe zu sehen waren.

BZ: Ist das Publikum der Mundologia-Reihe ein anderes als das des Festivals?
Hauser: Auf dem Festival haben wir mehr Besucher, die von weiter her anreisen. Eine lange Anfahrt lohnt sich für drei Tage volles Programm natürlich mehr als für einen Einzelvortrag. Außerdem trifft man beim Festival mehr Menschen, die sich intensiv mit Fotografie beschäftigen oder viel reisen und die sich informieren und inspirieren lassen wollen.

BZ: Beenden Sie bitte folgenden Satz: Die Mundologia-Reihe ist für mich …
Hauser: … eine schöne Gelegenheit, mir ferne Länder und Kulturen anzusehen, die größten Abenteurer unserer Zeit live zu erleben, außergewöhnliche Menschen zu treffen und manchmal auch in eigenen Reiseerinnerungen zu schwelgen.