"Gute Architektur bleibt"

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Do, 21. Juni 2018

Kollektive

Kammergruppe Lörrach lädt ein am kommenden Samstag zu einer Besichtigungstour im Landkreis mit fünf Stationen.

"Architektur bleibt!", so lautet das von der Bundesarchitektenkammer in diesem Jahr ausgegebene Motto zum Tag der Architektur. Was ist aber Voraussetzung für bauliche Beständigkeit und was kann dagegensprechen, ein Haus über Generationen und Jahrhunderte gar zu bewahren? In der Kammergruppe Lörrach, die einmal mehr zu einer Bustour mit fünf Stationen einlädt, hat man sich darauf verständigt, dass sich die Überschrift sehr gut erweitern ließe. "Gute Architektur bleibt", hieße der Vorschlag.

Ist etwa die Bausubstanz zu marode, um einen Erhalt zu rechtfertigen, oder wurde ausufernd einer vorübergehenden Modeströmung gehuldigt, sodass der entsprechende Wohn-, Büro- oder Geschäftsraum wenig später nur noch als Bausünde wahrgenommen wird, werden Fragen der Qualität maßgeblich. Möglich ist auch, dass gewachsene Ansprüche nicht mehr erfüllt werden können, wie etwa im Fall des historischen Gasthauses Krone in Alt-Weil, um das herum aufgrund der hier angespannten Parksituation immer mehr Fläche von Fahrzeugen belegt wurde. Die Bewirtung am einst lauschigen Ort unter Kastanienbäumen harmonierte damit immer weniger. Das Weiler Büro Askari Architekten hat dafür die Lösung eines rechtwinklig zum denkmalgeschützten Kernhaus gestellten Neubaus entwickelt, dessen Sockelgeschoss Parkflächen vorsieht, während der obere Teil Hotel und Gastronomie vorbehalten bleibt.

Die Weiler Krone bildet den Abschluss der diesjährigen Tour, die Wohnanlage Dammstraße/Am Bahndamm in Lörrach-Stetten den Anfang. Verantwortlich ist hier das Büro Kränzli und Fischer-Wasels Architekten aus Karlsruhe, dessen Projekt bereits für den Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg nominiert war. Als "desolat" eingestufte Häuser aus den 1920er und 1930er Jahren aus dem Bestand der Lörracher Wohnbau wurden hier durch neue ersetzt, was Platz für mehr Wohnungen schuf als zuvor. Zentral war es hier, die alte sozial benachteiligte Bewohnerschaft nicht zu vertreiben.

In direkter Nachbarschaft und als Querfinanzierung entstand die Wohnanlage Weitblick, für die die Arbeitsgemeinschaft Moser Architekten und Wilhelm und Hovenbitzer verantwortlich zeichnet. 19 luxuriöse Eigentumswohnungen sind hier anstelle eines in die Jahre gekommenen Parkdecks entstanden und tragen bei zu sozialer Durchmischung im Quartier.

Das historische Wohnhaus von 1761 in Kandern-Wollbach macht einen kompletten Schwenk zurück in der Geschichte. Einst als Schulhaus genutzt, dann als Post- und später als privates Wohnhaus, hat der Bau auch mehrfache An- und Umbauten erfahren. Bis 2016 bewohnt, jedoch in einem eher beklagenswerten Zustand mit teils zur Mitte hin abgesackten Decken, zerfressenen Holzbalken und niedrigen Deckenhöhen bot sich dem Lörracher Architekten Christoph Geisel eine anspruchsvolle Aufgabe. Das Gebäude wurde vollständig entkernt und neu geplant, das Dach erneuert und die Dämmung zugunsten des äußeren Erscheinungsbildes nach innen verlegt. Im Ergebnis sollte das neue Haus jetzt wieder fit sein für weitere Generationen.

Eine Kombination von Alt und Neu ist schließlich der alte Gutshof im historischen Dorfkern von Efringen-Kirchen, der vom Konstanzer Büro Siedlungswerkstatt bis 2016 saniert und durch drei neue Einfamilienhäuser in Passivhaus-Standard ergänzt wurde. Anders als das Wollbacher Wohnhaus steht der Gutshof unter Denkmalschutz. Mit einer privaten Bauherrengemeinschaft mit fünf Parteien wird das 2000 Quadratmeter große Hofgrundstück jetzt unter Wahrung des Alten neu genutzt und ist etwa mit einer zentralen Nahwärmeversorgung verbunden. Tradition und aktuelle Standards gehen so eine nachhaltige Verbindung ein und empfehlen sich als Modell für die Sanierung historischer Dorfkerne.

Die Teilnahme an der Bustour ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich (siehe Info nebenan).