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24. Dezember 2011 11:49 Uhr

Vegetarier an Weihnachten

Fleischiges Fest

  1. Dieses Schnitzel ist vegetarisch. Für unsere Autorin wäre das eine Versuchung. Foto: dpa-tmn

Alle Jahre wieder überfluten Verlage zur Weihnachtszeit den Markt mit Diätratgebern. Die weihen dann figurbewusste Damen in das Geheimnis ein, wie sie eine fette Gans genießen können, ohne selbst eine zu werden. Was es nicht gibt, sind Überlebensratgeber für Vegetarier. À la "Wie überstehe ich drei Tage des reinen Beilagenfutterns?" Oder: "Wie kann ich meine Familie davon überzeugen, dass Essen ohne Fleisch nicht automatisch schäbig ist?" Besonders festlich sind offenbar nur tote Tiere. Ob handgewürgte Biolämmchen, Rind aus der Massentierhaltung oder, mal was ganz Apartes, geräucherter Bär: Weihnachten ist das fleischintensivste Fest des Jahres. Den Landesinnungsverband für das Fleischerhandwerk in Baden-Württemberg freut’s. Metzgereien machen im Dezember doppelt so viel Umsatz wie in irgendeinem anderen Monat des Jahres.

Googelt man also das Wort "Festessen", erscheinen fast nur Bilder von Fleischplatten, Spanferkeln, Kalbsmedaillons und hauchzarten Rehfilets. So einen üppigen Teller voll liebevoll gedünstetem Gemüse, garniert mit einem deliziösen Dinkelbratling, findet man nicht. Die Bilder, auf die man bei der Suche nach "Festessen vegetarisch" stößt, sehen in der Tat nicht sehr appetitlich aus: Ein unscharfes Foto von einem Obstsalat, eine karge Möhrensuppe mit drei Blättchen Basilikum und – warum, auch immer – Mönche und indische Frauen. Vegetarismus wird mit Askese assoziiert, rauschende Feste mit Fleisch. Von den Gelagen der Griechen in Homers Ilias und Odyssee über die ritterlichen Banketts von König Artus’ Tafelrunde bis hin zu den Wildschweinorgien der Gallier Asterix und Obelix sind Festmahle eng mit dem Gedanken an Fleisch verknüpft. Das kann man nicht von einem Weihnachtsfest aufs nächste ändern. Und es muss ja auch nicht gleich die Tofu-Gans sein, die die Tierrechtsorganisation Peta in ihrem tierfreundlichen Weihnachtsmenü empfiehlt. Aber wie wäre es dieses Jahr vielleicht mit zwei Gemüsebeilagen?

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Autor: cjz