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07. März 2011

UNTERM STRICH: Du hast die Haare schön

Wie eine Pro-Guttenberg-Demo in Berlin zum Forum für Spötter wurde /Von Bärbel Krauß.

Sie wollten mit Massendemonstrationen für eine Rückkehr von Exverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mobilmachen – doch die Hoffnung der Internetanhänger haben sich am Wochenende nicht erfüllt. In Hamburg, Frankfurt, Köln und Berlin blieb die Zahl der Demonstranten weit hinter den Erwartungen zurück. Die größte Kundgebung pro Guttenberg gab es in seinem Heimatort mit 1500 Teilnehmern. Der Vater des Exministers, der Dirigent Enoch zu Guttenberg, erhob dort scharfe Vorwürfe gegen Politiker und Medien. "Dieser Geifer und dieser Jagdrausch der politischen Gegner macht Angst um das Verbleiben der Mitmenschlichkeit in unserem Land", sagte er. So etwas habe er seit dem Zweiten Weltkrieg noch nicht erlebt und auch nicht für möglich gehalten. Sein Sohn schicke den Demonstranten "sein Herz und verspricht Ihnen seine Treue".

Nichtsdestotrotz wurden in Hamburg, Frankfurt und Köln die Pro-Guttenberg-Aktionen von Gegendemonstrationen begleitet. In Berlin musste das starke Dutzend sichtlich irritierter Guttenberg-Fans viel Spott von etwa sechzig Kritikern aushalten. "Guttenberg muss Kaiser werden", "Wir sind dein Volk", "KTG, der Erlöser – durch ,Bild’ spricht er zu uns", oder auch "Du hast die Haare schön", stand auf den Plakaten. "Monarchie, jetzt oder nie", skandierten einige Demonstranten, die sich selbst als Linksradikale bezeichneten. "Lieber gutt kopiert, als schlecht frisiert", stand etwa auf dem Plakat eines Mannes, der in Reithosen, Zweireiher, Krawatte, Hals- plus Einstecktuch und Lackschuhen vor dem Brandenburger Tor auf und ab paradierte. Ein Passant setzte ihm gar eine Papierkrone auf.

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Der Veranstalter der Demonstration hatte nach Angaben der Polizei nichts gegen die satirischen Anwürfe. Er könne den Leuten nicht vorschreiben, wie sie für Guttenberg demonstrierten, sagte er listig. Sein Verhalten nährte den Verdacht, dass die genehmigte Demonstration in Berlin von Anfang an satirisch gemeint war.

Autor: luß