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31. Oktober 2014

Unterm Strich

Drohnen über Frankreichs Akw: Unerwünschte Besucher

Über Frankreichs Akw kreisen Drohnen und lösen Ängste aus / Von Axel Veiel.

Es ist wie bei einem guten Thriller. Zu Beginn weiß niemand, wer im Hintergrund die Fäden zieht. Die üblichen Verdächtigen scheiden aus. Greenpeace-Aktivisten, die in Frankreichs Reaktorlandschaft Drachenflüge, Kühlturmbesteigungen und anderes Spektakuläres zur Aufführung zu bringen pflegen, wollen es jedenfalls nicht gewesen sein. Für die über Frankreichs Atommeilern kreisenden Drohnen sei man nicht verantwortlich, hat ein Sprecher der Umweltschutzorganisation am Donnerstag versichert. Aber wer war es dann?

Seit Donnerstag treibt die Franzosen diese Frage um, seit an die Öffentlichkeit gedrungen ist, was der Stromriese EdF ursprünglich wohl nicht an die große Glocke hängen wollte: Im Luftraum über den 58 Reaktoren des Landes tummeln sich unbemannte, unbekannte Flugobjekte. Sieben hat der Kraftwerksbetreiber seit Anfang Oktober gezählt – und am Donnerstag Konsequenzen gezogen. Anzeige gegen Unbekannt hat der Konzern erstattet. Bevorzugt nachts und in den frühen Morgenstunden hätten die unerwünschten Besucher vorbeigeschaut.

Aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete, die Drohnen seien teils nur 20, 30 Zentimeter breit gewesen, teils aber auch zwei Meter und damit in der Lage, Sprengstoff zu transportieren. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve wiegelt ab. Es seien Vorkehrungen getroffen worden, um Atommeiler anfliegende Drohnen "zu neutralisieren", hat der Minister gesagt. Wie dies geschehen soll, hat er zwar nicht gesagt. Der Griff zur von Militärs geschätzten Vokabel neutralisieren hat aber daran erinnert, dass Frankreichs Luftwaffe in der Pflicht steht. Zu ihren Aufgaben zählt es, ein Flugverbot im Umfeld der Atomkraftwerke zu überwachen. Im Umreis von fünf Kilometern ist jeglicher Luftverkehr unter 1000 Metern Höhe untersagt.

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Wenn Greenpeace Frankreichs Atomkraftbetreiber narrt, wissen die Franzosen wenigstens, woran sie sind. Diesmal tappen sie im Dunkeln.

Autor: av