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05. April 2011

UNTERM STRICH: Wo Geschichtspullis landen

Das Europaparlament träumt von einem Haus der EU-Geschichte / Von Michael Neubauer.

Tourist oder Schüler, kommst Du nach Brüssel: Ab 2014 heißt es nicht mehr nur Atomium bestaunen, Pommes essen, Comics gucken – sondern auch ins Haus der europäischen Geschichte gehen. Denn das Europaparlament hat festgestellt: Viele Nationen haben längst ihr eigenes Haus der Geschichte (in Bonn zum Beispiel konnte man die Strickjacke von Helmut Kohl bestaunen, die er beim Gespräch mit Michail Gorbatschow über die deutsche Einheit trug). Das EU-Parlament will jetzt auch so einen Rückblicksort.

Schaden würde so ein Museum wohl nicht. Bei jeder EU-Wahl mit niedriger Wahlbeteiligung dämmert es den Politikern, dass mehr getan werden muss, um Sinn und Arbeit der EU zu vermitteln. Dieses EU-Museum soll zeigen, wie die 27 Staaten zusammenkamen. Wie die EU bewirkte, dass sich einige Länder wirtschaftlich und demokratisch entwickelten. Was die Staatengemeinschaft den Bürgern bringt. Vielleicht dürfen die Museumsbesucher dort ja auch einen Schoko-Euro stanzen. Oder einen wichtigen Pulli von Hans-Gert Pöttering anschauen, dem ehemaligen Parlamentspräsidenten, der die Idee zu dem Museum hatte?

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Fest steht nur: So ein Museum finden die Europaabgeordneten im Prinzip gut – dennoch macht es einigen große Sorgen. Denn die EU drängt ihre Mitgliedsstaaten in diesen Krisenzeiten zum Sparen. Gleichzeitig will sich das Parlament ein Museumsprojekt leisten, das in den nächsten Jahren 50 Millionen Euro kostet (Tendenz steigend). Plus das Sümmchen von 13 Millionen Euro Betriebskosten im Jahr. Heide Rühle, baden-württembergische Grünen-Abgeordnete, warnt deswegen: "Das ist derzeit immer noch ein finanzielles Abenteuer." Um den EU-Bürgern solche Kosten vermitteln zu können, müsse man woanders im Parlamentshaushalt sparen. Zudem müsse man die anderen beiden EU-Institutionen (Kommission und Rat) ins Boot holen – nicht dass die irgendwann ihre eigenen Museen aufmachen. Drei EU-Museen? Das sprengt dann doch jede Klassen- und Städtefahrt.

Autor: mic