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09. Februar 2012

Wissenschaftsjahr

Ein längerer Hebel muss her

Ein Wissenschaftsjahr ist wenig geeignet, um für den ökologischen Umbau der Städte zu werben.

Sogenannte Wissenschaftsjahre sind gedacht als Werbung für einen Wissenschaftsbereich. Dieses Jahr dreht sich alles um Nachhaltigkeit, um das "Zukunftsprojekt Erde". Wissenschaft wird da zum Mittel für ein Ziel der Politik. Zumal der ökologische Umbau der Städte im Zentrum steht. Dazu hat das Bundesforschungsministerium im Herbst 2011 sein Szenario "Morgenstadt" vorgestellt, das nun offenbar stärker unter die Leute gebracht werden soll.

Die Städte Europas waren stets Orte der Innovation. Sie haben die Bürgergesellschaft, die moderne Ökonomie, den Wissenschaftsbetrieb hervorgebracht. Das ist alles auf Kosten der Ökologie gegangen; die Stadt lebte zu Lasten ihres Umlands. Damit soll künftig weithin Schluss sein.

So zumindest lauten die Grundüberlegungen zum Wissenschaftsjahr 2012, das mit Blick auf den Klimawandel die Städte zu ökologischen Taten herausfordert. Wie das aussehen könnte, haben Bundesforschungsministerium und Fraunhofer-Gesellschaft in einer Stadtutopie entwickelt, die 2011 unter dem Titel "Morgenstadt" veröffentlicht wurde. Obwohl sich dort alles harmonisch und zukunftsträchtig liest, fand der Text wenig Resonanz. Dieser soll nun die "ZukunftsWerkStadt" nachhelfen, ein Wettbewerb, an dem 27 Städte und Landkreise teilnehmen, darunter Freiburg und Lörrach.

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Wissenschaft und Technik könnten zur energieeffizienten, klimaneutralen Stadt einen wichtigen leisten. Sie werden dringend gebraucht, um eine intelligente Steuerung der kommunalen Energiewirtschaft, der Stoffkreisläufe oder einer Elektromobilität, die zugleich als Stromspeicher funktioniert, hinzubekommen. Aber es ist andererseits nicht so, dass den Städten ökologische Nachhaltigkeit unbekannt wäre oder sie sich in diesem Thema der Wissenschaft verweigerten. Doch das Wandlungspotenzial der Städte ist begrenzt: Für eine schrumpfende Gesellschaft sind sie eigentlich fertig gebaut, und zwar zumeist auf eine Weise, die den Klimawandel noch nicht im Blick hatte.

Dem Neubau sind damit ökonomische Grenzen gesetzt. Und für den Umbau im Bestand bedarf es wirtschaftlicher Anreize – das hat die Bundesförderung für das Wärmedämmprogramm gezeigt – oder deutlicher Effizienzgewinne, wie sie etwa der Wechsel zu einer kommunal oder bürgerschaftlich gemanagten Energieversorgung verspricht. Wenn man also sich nicht nur um die Heizung in seinem Keller kümmert, sondern sein Viertel als mögliches Energienetzwerk sieht. Da sind dann Tugenden der Bürgergesellschaft gefragt, wie sie eine lebendige Stadt prägen sollten und wie sie in "Morgenstadt" nur zart angedeutet sind. Für sie vor allem muss man werben. Daher ist ein Wissenschaftsjahr kaum das geeignete Vehikel, um einen umfassenden ökologischen Umbau der Städte zu starten. Das große Ziel erfordert ganz andere Hebel der Politik – die viel direkter auf den Umgang mit Energie und Ressourcen wirken.

Autor: Wulf Rüskamp