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09. Februar 2012
Unterm Strich
EU-Kommissare auf Twitter: Im Raymond-Chandler-Stil
Wie EU-Kommissare das Medium Twitter nutzen / Von Daniela Weingärtner.
Bei den Brüsseler EU-Kommissaren ist das Twitter-Fieber ausgebrochen. Seit Jahren versuchen sie mit immer teureren Informationskampagnen, Europas Jungvolk für ihre Themen zu begeistern – ohne großen Erfolg. Zwar wird in den einschlägigen Kommissars-Blogs durchaus diskutiert und gechattet, aber die meisten Beiträge klingen, als hätte sie der Praktikant der Abteilung auf Bestellung geliefert.
Vielleicht deshalb nun der verzweifelte Versuch, Emissionshandel, Schuldenkrise und Fischquoten ins Twitterformat von maximal 140 Zeichen zu pressen. Inzwischen stellt sich fast die Hälfte der 27 EU-Kommissare dieser Herausforderung oder – was wahrscheinlicher ist – beschäftigt dafür weitere PR-Experten. Das Ergebnis ist sprachlich oft gewöhnungsbedürftig. So schreibt der für Bürgerbeteiligung zuständige Maroš Šefèoviè am 19. Januar: "Germans, Austrians – you can change Europe. All it takes is Europäische Bürgerinitiative". Und seine für Verbrechensbekämpfung verantwortliche Kollegin twittert im coolen Raymond-Chandler-Stil: "Guter Tag für polizeiliche Zusammenarbeit, Drogennetzwerk in Schweden und Bulgarien aufgedeckt. Drogen und Sprengstoff gefunden. Verbrechen kennt keine Grenzen – und das sollten wir auch nicht tun." Wesentlich kryptischer und von unfreiwilliger Komik dagegen die Fischereikommissarin, wenn sie behauptet: "Nachhaltig essen heißt nachhaltig fischen."
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Man wüsste ja gern, was der nachdenkliche und stets etwas verschroben wirkende EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy vom Twittern hält. In seiner Freizeit schreibt er Haikus, japanische Kurzgedichte, die mit deutlich weniger als 140 Zeichen sehr viel aussagen können. Doch im Job vertraut auch er inzwischen auf die Kommunikationsformen des 21. Jahrhunderts. "ESM – dieser permanente Krisenmechanismus wird Vertrauen, Solidarität und finanzielle Stabilität in der Eurozone schaffen", so sein zweckoptimistischer Tweet am 2. Februar. Da wünscht man sich, er wäre beim Dichten geblieben.
Autor: wein
